Bäume im Garten: Wasserspeicher und Bodenkünstler

Ein gesunder Garten ist ein Ökosystem, in dem Pflanzen, Tiere und Menschen vernetzt sind und miteinander kooperieren. Sie alle leben in Wechselwirkung und sind in der Lage, mit Hilfe von Rückkopplungsmechanismen flexibel auf sich ändernde Umweltbedingungen zu reagieren. 

Ein etablierter Naturgarten ist solch ein gesundes Ökosystem. Hier finden Tiere unter Bodendeckern Nahrung, in Hecken Zuflucht und in Bäumen Lebensraum. Bäume sind multifunktional und für das Leben auf der Erde unabdingbar.

Googelt man allerdings „Bäume im Garten“, wird die Suche automatisch um das Wort „fällen“ ergänzt.

In dem folgenden Blogbeitrag stelle ich wertvolle Argumente #probaum zusammen, damit wieder mehr Menschen Bäume „pflanzen“, auch im eigenen Garten.

Die Bedeutung von Bäumen im Klimawandel

Schon in der Schule haben wir gelernt, dass Bäume mittels Photosynthese schädliches Kohlendioxid (CO2) in den für ihr Wachstum benötigten Kohlenstoff (C) umwandeln und dabei Sauerstoff (O2) freisetzen. Durch diese Fähigkeit sind sie nicht nur in der Lage, die für uns wichtige Atemluft zu produzieren; sie filtern diese auch für uns. Wissenschaftler der ETH Zürich sind der Meinung, Bäume zu pflanzen habe das Potenzial, zwei Drittel der bislang von Menschen verursachten klimaschädlichen CO2-Emissionen aufzunehmen (Forschung & Lehre).

Als Klimaschützer spenden sie zudem wertvollen Schatten und kühlen aktiv die Umgebung ab. Ein ausgewachsener Laubbaum kann an einem heißen Sommertag bis zu 400 L Wasser verdunsten (Verbraucherschutz Bio). Parkanlagen und Wälder werden somit zum Zufluchtsort für Mensch und Tier.

Die Bedeutung von Bäumen für unser Grundwasser

Weltweit häufen sich Dürren und auch die Ausbreitung von Wüsten schreitet voran. Rund ein Drittel der weltweiten Landoberfläche zählen mittlerweile zu Wüstengebieten – „und jedes Jahr kommt ein Gebiet von der Größe Bayerns hinzu“ (ardAlpha). Während Trinkwasserbrunnen in Trockenregionen versiegen, sinken auch hierzulande die Grundwasserspiegel.

Wasserspeicher Bäume
Bäume ziehen aus den Tiefen des Bodens Wasser und machen es nutzbar

Was die Wenigsten wissen: Bäume sind stehende Wassersäulen. Dank der Bodenkapillare sind sie in der Lage Bodenwasser weit über die eigene Wurzeltiefe hinaus aufzunehmen und dieses in den lebendigen Wasserkreislauf zurückführen.

Einen Teil des Wassers lagern Bäume zur Selbsterhaltung ein, einen anderen Teil verdunsten sie über ihre Blätter.

Die Verdunstung des Wassers führt zur Abkühlung der Luft und zur Bildung von Wolken. Sowohl an Rändern von Wüsten, als auch bei uns im Garten halten Baumwurzeln das Regenwasser fest und machen es für andere Lebewesen erreichbar (Kletterblatt).

Im Umkehrschluss bedeutet das: Dort wo wir Bäume fällen, sackt der Grundwasserspiegel ab. Ohne die manuelle Gabe von Wasser, sind Gärten ohne Bäume stark benachteiligt.

Noch besser als ein einzelner Baum, ist die Pflanzung mehrerer, verschiedener Baumarten im Verbund. Ein Waldgarten als Nachahmung des Ökosystems „Wald“ kann ein wertvolles Vorbild sein.

Die Bedeutung von Bäumen für unseren Gartenboden

Mit Hilfe ihrer Wurzeln lockern Bäume den Boden auf und befähigen ihn, wertvolles Regenwasser aufzunehmen. Gleichzeitig halten sie den Boden fest und schützen ihn vor Erosion. Im Sommer beschatten Bäume mit ihrer Krone den Boden schützen ihn vor direkter Sonneneinstrahlung und somit vor Austrocknung. Im Herbst reichert ihr Laub den Boden mit Nährstoffen. Bleibt das Laub über den Winter liegen, können Bodenlebewesen darin überwintern. Als Dank zersetzen diese dann im Frühling das Laub zu nährstoffreichen Humus und führen die Nährstoffe in das System zurück. 

Keine Angst vor Bäumen

Trotz ihrer Bedeutung, pflanzen nur wenige Menschen Bäume im eigenen Garten. Meist halten zwei wesentliche Aspekte sie davon ab:

1. Die Angst, ein Baum könnte aufs Haus fallen

Dank ihres langsamen Wachstums sind Bäume in der Lage sich sehr gut an ändernde Umweltbedingungen anzupassen. Durch ihr Schwanken im Wind gelingt es ihnen bspw. starke Windgeschwindigkeiten auszugleichen ohne dabei abzubrechen oder abzuknicken.

2. Die Angst, ein großer Baum könnte zu viel beschatten

Die Sonne ist nie am gleichen Fleck, sondern wandert das ganze Jahr über. Selbst ein großer Laubbaum wird den Garten deshalb nie komplett beschatten. Stattdessen sorgt er für ein kühleres Kleinklima und schützt den Rasen bzw. andere Pflanzen vor dem Vertrocknen.

Kleiner Obstbaum im Frühling
Obstbaumblüte im Garten

Nicht jeder Garten bietet Platz für einen großen Baum. Die folgenden heimischen Laubbäume, passen auch in kleine Gärten und bieten mit ihren Früchten wertvolles Futter, für Mensch und Tier.

  • Baumhasel (Corylus colurna)
  • Esskastanie (Castanea sativa)
  • Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier lamarckii)
  • Hainbuche (Carpinus betulus ‘Frans Fontaine‘)
  • Apfelbaum (Malus ‚Braeburn‘)

Viel Spaß beim Pflanzen wünscht,

Deine erdhummel.

Gärtnern ohne Müll: Plastikvermeidung im Garten

Müll im Garten entsteht, wenn wir Dinge nicht mehr brauchen weil sie übrig, kaputt, nicht mehr passend oder modern sind. In einer Gesellschaft wie unserer, in der Konsum permanent gefördert wird, entsteht auch entsprechend viel Müll.

Insbesondere der zunehmende Verbrauch von Plastik stellt für unseren Planeten ein immer größeres Problem dar. Warum das so ist und mit welchen konkreten Handlungen du die Verwendung von Plastik auch im Garten reduzieren kannst, erfährst du in meinem folgenden Blogbeitrag. 

Plastik und seine Konsequenzen

Plastik im Garten zu vermeiden ist gar nicht so leicht. Egal ob Pflanzen oder Gartenerde, alles steckt im allseits beliebten Kunststoff. 

Laut NABU hat 2019 jeder von uns im Schnitt 76 kg Kunststoffabfälle produziert. Während die Industrie für insgesamt 0,9 Mio. Tonnen Abfälle verantwortlich war, galten wir Verbraucher mit 5,4 Mio. Tonnen als Hauptverursacher. Irgendwie logisch, denn insbesondere für die Herstellung von Leichtverpackungen eignet sich der Kunststoff hervorragend. Plastik ist leicht, bruchfest, formbar, elastisch, temperaturbeständig und kann ganz nach Wunsch gestaltet werden. Da er noch dazu billig ist und wenig Wert hat, findet man Plastik mittlerweile in den abgelegensten Ecken unseres Planeten. Ob in Form von Nahrungsmittelverpackungen in unseren heimischen Wäldern oder als PET-Flasche in den Weltmeeren. Und da Plastik noch dazu unglaublich langlebig ist, dauert es rund 450 Jahre bis es sich zersetzt (Statista). In Form von Mikroplastik verursacht es dann weiteren Schaden.

Der richtige Umgang mit Plastik

Eine umfunktionierte, alte Sackkarre

In irgendeiner Form hat vermutlich jeder von uns Plastik im Garten. Als festen Bestandteil unseres Lebens, nehmen wir Plastik manchmal nicht einmal mehr wahr. Es kann der ausgeblichene Plastikgriff unserer Gartengeräte sein, die praktische Plastikgießkanne oder einfach der schnöde Bindedraht, der zum Schutz von Pflanzen mit Plastik ummantelt ist. 

Grundsätzlich gilt: Was da ist, sollte auch da bleiben – und zwar so lange es geht. Brauchbares in den Müll zu werfen, um es in einer Hauruckaktion zu ersetzen, verursacht unnötig Kosten und Müll. Selbst kaputte Produkte können durch „Upcycling“ oftmals eine neue Verwendung finden. So kannst du zum Beispiel alte Gummistiefel begrünen (Klassiker) oder aus kaputten Gartenschläuchen witzige Pflanztöpfe flechten (Ich hab’s ausprobiert, ziemlich cool Link)

Upcycling stellt jedoch nur eine Zwischenlösung dar. Da der Hauptbestandteil von Kunststoffprodukten Erdöl ist, verrotten Plastikprodukte nicht und müssen am Ende ihrer Lebenszyklen immer fachgerecht entsorgt werden.

Oberstes Ziel: Plastik im Garten vermeiden

Das meiste Plastik fällt vor allem dort an, wo wir kurzfristig handeln. Wie Weihnachten und Ostern, kommen Frühling und Herbst für viele von uns jedes Jahr recht unverhofft. Und so türmen sich nach einer spontanen Shopping-Tour durchs Pflanzencenter, schnell Berge von Plastiktöpfen und Plastiktüten. Mit diesen 7 Tipps, kannst du Plastik langfristig ganz vermeiden.

  1. Probier’s mit Slow Gardening: Neue Pflanzen kannst du aus Samen in Eierschalen / -kartons Zuhause vorziehen. Im Winter, wenn vielerorts Gehölze auf Stock gesetzt werden, kannst du dir Teile mitnehmen und sie in einer Vase wurzeln lassen.
  2. Nie wieder Erde in Plastik: Mit einem Kompost kannst du ziemlich leicht deine eigene, hochwertige Pflanzerde herstellen (hier geht’s zu meinem Blogbeitrag).
  3. Lass Plastiktöpfe im Gartencenter: Neue Pflanzen lassen sich in Zeitung einwickeln und in einer mitgebrachten Tragetasche nach Hause transportieren.
  4. Verzichte auf Unkrautvlies: Gängiges Unkrautvlies enthält Mikroplastik. Auf Grund des Sauerstoffmangels sterben zudem Bodenlebewesen ab, was langfristig auch deinen Pflanzen schadet. Besser sind Jutesäcke oder pflanzliche Bodendecker.
  5. Wähle Altbewährtes: Gartengeräte gibt es immer auch in „Old School“, ganz ohne Plastik (Terrakotta-Töpfe, Zinkkanne, Naturhaar-Besen etc.).
  6. Nutze vorhandene Ressourcen: Statt Rindenmulch zu kaufen, kannst du Holzhäcksel selbst herstellen. Rasenschnitt auf den Beeten fungiert als wertvoller Schutz vor Austrocknung und versorgt Pflanzen mit Stickstoff.
  7. Sei pingelig: Produkte wie Vogelfutter oder Bindedraht funktionieren auch genauso gut ohne Plastik – sei zukünftig ruhig pingelig und hinterfrage die Notwendigkeit von Plastik.

Wenn’s sich nicht vermeiden lässt: Plastik im Garten reduzieren

Wenn sich Plastik nicht vermeiden lässt, so kannst du mit diesen 3 Tipps zumindest die Menge des Kunststoffs im Garten reduzieren.

DIY-Gartendeko: eine alte Tonscherbe beschriftet
  1. Verzichte auf schwarze Pflanztöpfe: Schwarze Teile werden von Recyclinganlagen meist nicht erkannt und daher verbrannt. Recylclingfähige Kunststoffprodukte bestehen aus Polyethylen.
  2. Kaufe recycelte Produkte: Namenhafte Hersteller bieten bereits Gartengeräte in einer Kombination aus recyceltem Plastik und Holz zum Verkauf an.
  3. Reduziere die Menge neuer Produkte: Teile vorhandene Pflanzen, fülle Lücken im Beet mit Zwiebeln & Samen und nutze Kleinanzeigen für den Kauf neuer Pflanzen.

Wie im Garten, so wirkt Müll auch in der übrigen Natur verstörend. Um die weitere Ausbreitung von Plastik außerhalb unseres Gartenzauns zu verhindern, benötigen auch nachfolgende Generationen Anregungen, wie sich Plastik im Alltag vermeiden lässt.

Letzter Tipp: Um auf das Thema Müll stärker aufmerksam zu machen, kannst du dich bestehenden Müllsammelaktionen (z.B. von Green_Thosan) anschließen oder selbst organisieren. Das stärkt den Zusammenhalt und gibt allen das Gefühl, wirklich etwas bewirken zu können.

Deine erdhummel.

Herbstlaub im Garten sinnvoll nutzen

Spätestens im Oktober, wenn sich unsere Bäume wieder bunt färben und die ersten Laubbläser zu hören sind, stehen viele von uns vor der Frage: wohin nur mit dem vielen Laub? Anstatt Laub gegen Geld in Laubsäcken oder Abfalltonnen zu entsorgen, kann es ohne Kosten und mit wenig Aufwand in einen wertvollen Rohstoff umgewandelt werden – in Kompost für den eigenen Garten. 

Weshalb werfen Bäume ihre Blätter ab?

Baum mit Herbstlaub
Ein Laubbaum in seinen schönsten Farben

Der Abwurf der Blätter im Herbst ist für Bäume überlebenswichtig. Im Sommer benötigen Bäume die Blätter zur Photosynthese. Im Winter allerdings kann diese auf Grund von mangelndem Licht und Wasser nicht ablaufen bzw. wäre extrem ineffizient. Durch den Abwurf ihrer Laubblätter verhindern Bäume, dass permanent Wasser durch Verdunstung frei wird. Im regenarmen Winter hätte dies schnell eine negative Bilanz des Wasserhaushalts zur Folge, sprich der Baum würde verdursten. (1)

Herbstlaub bietet Winterschutz

Während das Herbstlaub auf Gehwegen eine Rutschgefahr darstellt und regelmäßig beseitigt werden muss, darf das Laub in der Natur liegenbleiben. Bäume werfen ihre Blätter in ihrer unmittelbaren Nähe ab, so dass ihre Wurzeln vor Kälte, Nässe und Wind geschützt sind.

Und was die Natur uns vorlebt, können wir auch ohne Bedenken für unseren Garten nutzen. Statt das Laub mit viel Mühe aus den Beeten zu sammeln, darf es auch hier den Winter über zwischen den Pflanzen liegen bleiben. Bodenlebewesen wie Regenwürmer, Kellerasseln oder Milben finden darin Schutz und Lebensraum. Zusammen mit verschiedenen Mikroorganismen sorgen sie für die schnelle Zersetzung des Laubs und wandeln es in wertvollen Humus um. Dank ihnen wird binnen kurzer Zeit aus vermeintlichem Abfall, dunkle Erde die unsere Pflanzen mit natürlichen Nährstoffen versorgt. 

Laub selbst kompostieren

Gerade in der Nähe von Straßenbäumen, fällt Laub oft in rauen Mengen an. Um die Beete damit nicht zu überfrachten, kannst du das Laub auch auf andere Art und Weise kompostieren. Du brauchst lediglich eine ruhige Gartenecke oder einen Kompost.

Drahtgeflecht mit Herbstlaub
Drahtgeflecht für Herbstlaub
  • In einem selbst hergestellten Drahtkorb lässt sich das Laub sicher in einer ruhigen Ecke auftürmen. Ein breitmaschiger Draht hat den Vorteil, dass Tiere noch ungehindert durchkommen, der Wind es aber dennoch nicht wegtragen kann.
  • Wenn du das Laub auf dem Kompost entsorgen möchtest, empfiehlt es sich große Mengen vorher zu häckseln. Das spart jede Menge Platz und beschleunigt die Verrotungsprozesse.
  • Eichen- oder Nussblätter enthalten Gerbstoffe, welche die Zersetzung verlangsamen. Durch das Zerhäckseln kompostieren sie besser. Wenn du keinen Häcksler hast, kannst du sie auch einfach beim Rasenmähen auffangen und zusammen mit dem Grasschnitt auf dem Kompost (einjährig) verrotten lassen. Die Zugabe von Hornspänen, Gemüseabfällen oder Erde beschleunigt die Zersetzung zusätzlich.(2)

Übrigens: Moorbeetpflanzen wie Rhododendren oder Heidelbeeren lieben Humuserde mit niedrigem pH-Wert. Sie sind dankbare Abnehmer deines Humus‘ aus Eichen- oder Nussblättern.

Weißt du noch, wie wir als Kinder immer voller Begeisterung durch das bunte Herbstlaub gerannt sind? Es war die pure Freude, wenn das Laub vor unseren Füßen hochwirbelte. Komm‘, wie ziehen uns diesen Herbst einfach ein paar Gummistiefel an und probieren es mal wieder aus! #glücksmomente

Deine erdhummel.

(1)https://www.biologie-schule.de/warum-verlieren-baeume-ihre-blaetter.php
(2) Utopia, Ratgeber Eichenlaub „Das musst du beim Kompostieren und Entsorgen beachten“
https://utopia.de/ratgeber/eichenlaub-das-musst-du-beim-kompostieren-und-entsorgen-beachten/

Mit Flächenbegrünung Sommerhitze reduzieren

Fassaden- und Dachbegrünungen, sowie die Flächenbegrünung von Wegen und Terrassen gewinnen nicht nur in Stadtgärten an Bedeutung. Auch Gartenbesitzer auf dem Land bekommen extreme Hitzeperioden zunehmend zu spüren. Verwunschene Bauerngärten sind großen Rasenflächen gewichen und romantische Wege aus Kopfsteinpflaster wurden vielerorts durch großzügige Einfahrten und Stellflächen ersetzt. Gerade im Sommer bilden diese Gartenbereiche Wärmeinseln, die sich tagsüber stark aufheizen und die gespeicherte Wärme bis spät in die Abendstunden an ihre Umgebung abgeben.

Dieses Phänomen kann umgangen werden, indem man bei der Anlage neuer Gartenflächen einige Punkte berücksichtigt. Mit ein paar Tricks, lassen sich auch die Temperaturen auf bereits existierenden Bereichen reduzieren. Wie, erfährst du im folgenden Blog.

Inhaltsverzeichnis

  1. Neue Flächen im Garten anlegen
  2. Flächenbegrünung bestehender
    – Der vertikale Garten
    – Der Dachgarten

1. Neue Flächen im Garten anlegen

Thymian eignet ich hervorragend zur Begrünung von Wegen

Anstatt neue Wege und Stellflächen komplett zu verfugen und zu versiegeln, können die vielen Zwischenräume für eine Flächenbegrünung genutzt werden. In den Bereichen von Wegen und Terrassen, kannst du die Fugen mit Samen oder Polsterpflanzen begrünen. Für schmale Fugen mit nur 2 cm Breite, gibt es spezielle Samenmischungen. Ich persönlich habe mich für trittfesten Thymian entschieden, da dieser trockenresistent und blühfreudig zugleich ist. Für die Randbereiche der Flächen kannst du auch aus einem größeren Sortiment an Polsterstauden wählen. Ansonsten sollte der Fugenabstand mindestens 3 cm betragen.

Durch die Begrünung der Fugen wird nicht nur die Temperatur der Steine und somit des gesamten Gartens reduziert. Das Konzept der Flächenbegrünung passt auch wunderbar in einen Naturgarten. Kleinstlebewesen können die versiegelten Flächen besser passieren und wertvolles Regenwasser fließt leichter ins Erdreich ab.

Spielflächen für Kinder oder selten genutzte Wege, können übrigens auch aus Mulch hergestellt werden. Mulch besteht aus Rasenschnittt oder Gehäckseltem und fällt in jedem Garten ab. Ein gemulchter Weg hat zwar nur eine bedingte Haltbarkeit und muss spätestens alle zwei Jahre neu aufgefüllt werden. Dafür ist seine Herstellung kostengünstig, einfach und ohne einen Fachmann möglich. Für PKW-Stellflächen sind Rasengittersteine eine sinnvolle Option. Das Wasser kann durch die offenen Bereiche versickern und die Herstellung der Fläche ist hinsichtlich Aufwand und Kosten überschaubar.

2. Flächenbegrünung bestehender Flächen

Der vertikale Garten

Fassadenbegrünung
Fassadenbegrünung mit Blauregen in der Stadt Weinheim

Mit Hilfe von Kletterpflanzen lassen sich kahle Mauern, Zäune und Hauswände kostengünstig begrünen. Sie bieten Sicht-, Sonnen- und Windschutz, dämpfen Lärm und filtern die Luft. Außerdem bieten sie Tieren zusätzlichen Lebensraum und Nahrung. Man unterscheidet Kletterpflanzen in Selbstklimmer (Wurzelklimmer, Haftscheibenklimmer) und Gerüstkletterpflanzen (Schlinger, Blattranker, Sprossranker, Spreizklimmer).

Wie der Name schon verrät, benötigen Selbstklimmer keine Kletterhilfe. Da sie überall entlangranken, sind sie schwerer in Schach zu halten. Selbstklimmer wie Efeu und Wilder Wein klimmen gerne auf Beton und Putz, weil diese Untergründe rau sind und genügend Halt geben. Wichtig zu wissen: Selbstklimmer gewinnen über die Zeit an Gewicht und können mit ihren Wurzeln und Haftscheiben in bereits schadhaftem Mauerwerk größere Schäden verursachen. Im Zweifelsfall solltest du deshalb auf Gerüstkletterpflanzen ausweichen.

Gerüstkletterpflanzen benötigen zum Klettern Kletterhilfen aus Holz oder Draht. Da ihre Ausbreitung also auf bestimmte Flächen begrenzt werden, sind sie für bereits schadhafte Hauswände ungefährlich. Zu ihnen gehören z.B. Geißblatt, Schlingknöterich, Hopfen, Clematis, Kletterrosen (gerne ungefüllt) oder Winterjasmin. Um den richtigen Kletterer für deine Fläche zu finden, solltest du unbedingt auf seine Standortbedürfnisse achten.

Der Dachgarten

Dachbegrünung_erdhummelgarten
DIY-Projekt im erdhummel-Garten: extensive Dachbegrünung

Lust auf ein begrüntes Dach? Für DIY-Projekte eignet sich die sogenannte Extensivbegrünung von Dachflächen. Anders als die Intensivbegrünung, ist die Extensivbegrünung für kleine Flächen konzipiert und greift auf anspruchslose und niedrig wachsende Pflanzen zurück. Eine kurze und verständliche Anleitung habe ich auf der Webseite Hausjournal entdeckt. Für die Bepflanzung der Fläche eignen sich sukkulente Sedeum-Arten (Scharfer Mauerpfeffer, Dachwurz, Fetthenne), die auch längere Trockenzeiten überstehen. Pro Quadratmeter benötigst du zwischen 15 und 20 Pflanzen. Baufertige Dachbegrünungen kann man mittlerweile online kaufen.

Eine Auch wenn die benötigte Traglast wesentlich geringer ist als bei der Intensivbegrünung, kann auch hier ein Check vorab nicht schaden. Je größer und bedeutsamer die Fläche, desto eher muss sichergestellt werden, dass die Dachabdichtung nicht beeinträchtigt wird.
In Frage kommen alle ebenen oder leicht geneigten Dächer von bspw. Garagen, Carports, Vordächer oder Mülltonnenummantelungen.

Wir haben letztes Jahr aus dem Vordach unserer Garage eine begrünte Mini-Landschaft gemacht. Nachdem wir die Fläche den Sommer über gut gewässert haben, gedeihen die Sukkulenten dieses Jahr prächtig. Trotz langanhaltender Hitzeperioden.

Vögel und Insekten besuchen das neu begrünte Garagendach täglich. Dank ihnen ist unser Garten wieder ein bisschen reicher, gesünder und… kühler geworden.

Deine erdhummel.

Quelle: E. Körner, R. Zaugg (2021), Flächenbegrünung, GAR11, ILS Fernstudiumzentrum Hamburg

Tipps für einen erfolgreichen Start in den eigenen Gemüsegarten

Hast du auch schon mal darüber nachgedacht, wie schön es wäre unabhängiger zu leben und zum Einkaufen einfach in den Garten gehen zu können? Der Gedanke sich selbst zu versorgen, hat für viele Menschen etwas Befreiendes. So befreiend, dass man den Aufwand dahinter am liebsten erstmal verdrängen würde. Angefangen bei der Vorbereitung der Beete und dem Vorziehen von Samen im Frühjahr, über das Wässern der Schützlinge im Sommer, bis hin zum Ernten und Haltbarmachen der Erzeugnisse ab dem Spätsommer, macht Selbstversorgung neben viel Spaß natürlich auch Arbeit. 

Aber man muss ja auch nicht immer gleich mit dem vollen Programm starten. Mit ein bis zwei Hochbeeten, verschiedenen Pflanztöpfen und Obststräuchern, kann man seine Küche bereits super „pimpen“. Egal ob du gleich mit mehreren Gemüsebeeten starten möchtest oder beschlossen hast, den Fokus erstmal auf den Anbau von Gemüse auf deinem Balkon zu legen – es lohnt, wenn du dich mit den grundlegenden Fragen bereits vor der ersten Aussat beschäftigst.

Platz – genügend & passend

pumpkin_plant
Kürbisse lieben einen schattigen Standort, wie den Kompost.

Um eine vierköpfige Familie komplett selbst zu versorgen, braucht man 150-200 Quadratmeter Nutzfläche. Wenn du klein anfangen möchtest, genügen wie gesagt auch ein bis zwei Hochbeete und Pflanztöpfe. Der Standort der Beete ist entscheidend. Sonne wirkt sich günstig auf ein gesundes Wachstum und die Ausbildung von Aroma- und Inhaltsstoffen aus. Dein Gemüse sollte mindestens 6 Stunden pro Tag in der Sonne liegen. Wärmeliebendes Gemüse wie Tomaten benötigen noch dazu einen geschützten Standort. Sie fühlen sich vor Hauswänden und in Gewächshäusern am wohlsten. 

Versorgung – DIY & nachhaltig

Ein gesundes Beet steht auf einem gesunden Boden. Besser als plastikverpackte Erde im Baumarkt zu kaufen, ist die Anlage eines eigenen Komposts. Dank ihm kannst du alles, was du deinem Garten entnommen hast, in wertvolle Erde verwandeln und für deine Beete nutzen. Tipps zur Entsorgung deiner Küchenabfälle auf dem eigenen Kompost, gibt’s auch in meinem Blog „Der Kompost: Paradebeispiel der Kreislaufwirtschaft“. 

Im Rahmen der Photosynthese benötigen deine Pflanzen neben Licht und Nährstoffen auch Wasser. Leitungswasser ist teuer, denn es wird mit viel Energieaufwand trinkfertig aufbereitet werden. Nachhaltiger ist es, Regenwasser selbst aufzufangen. Dafür kannst du deine Regenrinnen so umfunktionieren, dass Teile des Regenwassers in eine Regentonne ablaufen. Damit es nicht überläuft, gibt es im Handel mittlerweile auch entsprechende Überlaufschutzsysteme. 

Pflanzenwahl – regional & saisonal

Statt mit Exoten zu starten, überlege zunächst welche Obst- und Gemüsesorten in deiner Region wachsen. Die Erfolgschancen auf eine reiche Ernte sind höher, wenn die Sorten gegen unsere Schädlinge gewappnet und an die vorherrschenden klimatischen Bedingungen gewohnt sind. Apropos regional. Saatgut mit Nachbarn zu tauschen, ist eine schöne Gelegenheit mal wieder ins Gespräch zu kommen. Wir alle sind doch nach dem langen Winter dankbar, uns mit Gleichgesinnten über schöne Themen auszutauschen, die uns noch dazu die Finger jucken lassen.

Pflege – natürlich & in Maßen

Nacktschnecken können zur Plage werden, wenn der natürliche Feind fehlt.

Nach dem Motto „what goes around comes around“ kommt alles was wir in die Natur hineingeben, auch irgendwann wieder zu uns zurück. Pestizide und chemische Dünger gehören in keinen Garten. Denn Käfer und Schnecken gehören in die Tierwelt, wie Rotkehlchen und Igel. Ohne die Einen, gäbe es auch nicht die Anderen. Nimmt eine Population Überhand, müssen wir die Ursache für das Ungleichgewicht herausfinden. Standort, Nachbar und Pflege sind entscheidend für das gute Gedeihen der Pflanzen. Immer mehr Selbstversorger gehen deshalb wieder verstärkt Richtung Mischkultur, die den Einsatz von Chemikalien unnötig macht. Auf den Seiten des NABU findest du erste schöne Ideen, wie du deine Gemüsebeete nach dem Prinzip der Mischkultur anlegen kannst und was es bei der sogenannten Fruchtfolge zu beachten gibt.

Das hört sich jetzt erstmal viel an, aber ich sage immer „Einfach erstmal anfangen, auch wenn es kleine Schritte sind“. 

Das Gefühl, das dich beim Reinbeißen in deine eigene erste Möhre überkommen wird, entschädigt dann ohnehin alle Mühe. 

Deine erdhummel.

Wasser! Eine wertvolle Ressource, die man auch im Sommer aktiv schützen kann.

Mit einem Naturgarten sinnvoll Wasser sparen.

Eins meiner liebsten Kinderlieder handelt vom Regen und ist ein richtiger #ohrwurm! Immer wenn dicke Regentropen an mein Fenster klopfen, gelangt die Melodie in meinen Kopf und ich beginne zu singen. Erst leise und dann immer lauter. Vielleicht kennst du das Lied sogar:

Eine dicke Regenwolke kommt über’s Meer.

Eine dicke Regenwolke leise und schwer.

Hat den Bauch voll Wassereimer,

soviel Wasser trägt sonst keiner.

Muss die Welt begießen, die Bäume und die Wiesen

Und auch mein Radieschenbeet, das habe ich allein gesät.

Zitat aus „Der Traumzauberbaum“

In den letzten Jahren hat es insbesondere im Sommer so selten geregnet, dass ich meinen Spleen kaum ausleben konnte. Aktuell geht es mir diesbezüglich etwas besser und ich fühle mich auch noch nicht gezwungen, wie eine Verrückte mit der (gefühlt kleinsten Gießkanne der Welt) Straßenbäume und Hecken zu wässern.

Wie die globale Erwärmung unseren Regen beeinflusst

Aber weshalb ist in manchen Teilen Deutschlands in den letzten Jahren nicht mal die Hälfte der durchschnittlichen sommerlichen Regensummen gefallen? Stichwort „globale Erwärmung“. Die Veränderung unserer Atmosphäre, verändert auch globale Windströmungen, welche „Impulsgeber für die Entwicklung und für die Hartnäckigkeit gerade auch regionaler Witterungskapriolen“ sind. (1) Wir spüren diese Entwicklung immer öfter auch am schnellen Wechsel zwischen langanhaltender Trockenheit und Starkregen. Ich selbst stand 2017 in unserem Keller tagelang knöcheltief im Wasser.

Es ist ein Teufelskreis: je heißer es wird, desto trockener werden die Landschaften und umso mehr möchten wir unsere eigenen Gärten wässern. Während unsere Beete blühen, verdursten mancherorts ganze Wälder. Manche Gemeinden haben deshalb in den letzten Sommermonaten bereits ein Sprengverbot für Gärten erlassen. (2)

Dass unser Klima immer extremer wird, hängt also mit uns Menschen zusammen. Die Weltbevölkerung wächst und mit ihr der Bedarf an Energie, Nahrung und Wasser. Insbesondere wir Industrienationen müssen uns da ganz doll an unsere eigene Nase fassen. (3)

Die wichtigsten, wenn auch schockierendsten Trends unserer Zeit, die „Große Beschleunigung“

Es ist egal wie oft ich mir diese Grafik anschaue, ich bin jedes Mal aufs Neue schokiert! Es ist allerhöchste Zeit, dass wir aufhören immer nur aus dem Vollen zu schöpfen. Wir müssen #umdenken – nicht anfangen, sondern #einfachmachen! Die gute Nachricht ist: Vieles von dem wie wir es machen, können wir auch einfach anders machen. Fahrrad statt Auto, Wiederverwertern statt Wegwerfen, Wasserhahn aus statt Wasserhahn an. Im Haushalt ist das Wassersparen leicht umzusetzen: Hahn zu, Wasser aus. Aber was tun, wenn die Blümchen ihre Köpfe hängen lassen und der Rasen beginnt braun zu werden?

Nicht alles was braun ist, ist gleich tot

Präriebeete bilden eine starke Pflanzengemeinschaft und sind äußerst genügsam

Zum einen ist, wie immer, der richtige Standort für die Pflanzen wichtig. Pflanzen mit dicken, fleischig-saftigen Blättern vertragen sonnige Standorte. Sie nutzen ihre Blätter als Wasserspeicher und überstehen so mühelos auch längere Trockenzeiten. Ähnlich machen es Pflanzen mit Blattdornen. Berberitze, Robinie oder Akazie haben ihre Blätter zu Blattdornen umfunktioniert, wodurch es ihnen gelungen ist die verdunstende Oberfläche zu verringern und gekonnt Wasser einzusparen. Ich persönlich bin ein großer Fan vom Schmetterlingsflieder. Anders als der gemeine Flieder, ist er ein wahrer Insektenmagnet, der meist auch ohne Wasserzugabe herrlich blüht. Auch Fetthenne (mit ihren Dickblättern), die Schönmalve, Salbei und Frauenmantel machen jedem Gärtner das Leben leicht. Als anspruchslose Alleskönner gehören sie für mich in jeden naturnahen Garten.

Und was den Rasen angeht: lieber nicht zu kurz mähen und eine dünne Schicht Rasenschnitt als Schutz darauf liegen lassen. Außerdem nicht tagsüber, sondern spät abends oder früh morgens sprengen. Es genügt, wenn du den Rasen selbst bei Trockenheit alle vier Tage oder einmal in der Woche sprengst. (6) Keine Sorge, brauner Rasen ist nicht tot. Er hat sich nur in die „Sommer-Dormanz“ begeben. Sobald es wieder feuchter und kühler wird, treibt er an der Basis neu aus. (4)

Praktische Tipps, wie du im Garten Wasser sparst

  • Bäume pflanzen – sie spenden Schatten und unterstützen Böden den bei der Wasserspeicherung
  • Böden verbessern – sandige Böden mit Humus aufbessern um die Wasserspeicherung zu verbessern
  • Regenwasser in Regentonnen sammeln
  • Effektiv wässern – Tropfschläuche vs. Sprenger und Kreiselregner
  • Seltener gießen – Pflanzen zwingen tiefe Wurzeln zu bilden
  • Böden schützen – Bodendecker & regelmäßiges Mulchen als Schutz vor Hitze / Kälte
  • Verstärkt auf Pflanzen setzen, die Trockenheit vertragen (z.B. Präriebeete)

Präriebeete sind toll! Sie sind naturnah, langlebig und pflegeleicht. Welche Pflanzen sich dafür besonders eignen, zeige ich dir in den nächsten Wochen immer mal wieder auf Instagram unter erdhummel_naturgarten.  

Ich freu‘ mich auf dich!

Deine erdhummel

(1)https://www.wetteronline.de/wetternews/seit-drei-jahren-zu-wenig-regen-regional-muesste-es-wochen-regnen-2020-09-11-ds
(2)https://www.maz-online.de/Lokales/Oberhavel/Wenn-Gaertner-nicht-giessen-duerfen
(3) University of Cambridge, Business Sustainability Management, Online Short Course, Module 1 Unit 1, Systems pressures and trends (2020)
(4)https://www.br.de/wissen/desertifikation-verwuestung-wuestenbildung-ausbreitung-wueste-100.html
(5)https://www.plantura.garden/gartentipps/gartenpraxis/wasser-sparen-im-garten-6-wertvolle-tipps
(6)https://www.gartenjournal.net/rasen-sprengen

Unser Essen geht um die Welt: wie Ernährung einen Unterschied machen kann.

Während meines Studiums in Frankreich, erklärte mir eine durchaus humorvolle Freundin, dass sie uns Deutsche immer mit einem bestimmten Satz in Verbindung bringt: „Isch liebe Wurst!“. Als später meine erste Tochter an fast jeder Frischetheke eine Wurst auf die Hand bekam, musste ich unweigerlich an diesen Satz denken und in mich hineinschmunzeln.

Aus Respekt vor Tieren, habe ich aufgehört Fleisch zu essen. Auslöser war ein Newsletter von PETA vor 5 Jahren. Der Gedanke, komplett auf Fleisch zu verzichten, löst bei vielen Menschen in meinem Umfeld ein ungutes Gefühl aus. Dabei ist die fleischlose Küche echt vielfältig. Neben verschiedensten Kochbüchern aus aller Welt, gibt’s in gut geführten Supermärkten eine große Auswahl an veganen „Fleischprodukten“. Zudem wird man mit der Zeit ohnehin experimentierfreudiger. Kohl zum Beispiel muss nicht immer mit Speck oder Hackfleisch angebraten werden, um eine würzige Note zu erhalten. Neulich habe ich ein Kohlcurry mit Mandeln gekocht, das wirklich allen geschmeckt hat.

Weniger Fleisch & Wurst, mehr Gemüse & Obst aus der Region, weniger wegwerfen

Fleisch zu essen ist keine Sünde. Neben der Herkunft der Produkte, macht aber eben auch die Menge den Unterschied. Denn Vielfalt auf unseren Tellern, schafft Vielfalt in der Landwirtschaft (Agrobiodiversität). 75% der weltweiten Nahrungsmittelversorgung stammt von nur 12 Pflanzen- und Tierarten. Diese Ernährungsmonotonie gipfelt in einem Rückgang der Vielfalt von Pflanzen und Tieren und ist Grund dafür, dass seit 1900 bereits 75% der genetischen Pflanzenvielfalt in der Landwirtschaft verloren gegangen sind.(1)

Lebensmittelproduktion und ihr Einfluss auf die Natur
Lebensmittelproduktion und ihr Einfluss auf die Natur (2)

Co2 Abdruck von Tomaten unterschiedlicher Herkunft
Der CO2-Ausstoß einer Tomate: Regional, Flugtomate, Freiland, Regaional & Saisonal

Laut einer Studie des WWF von 2012 liegt der Anteil der Landwirtschaft am Gesamtausstoß von Treibhausgasen bei über 10%. (3) Neben der Produktion, Verarbeitung und Verpackung unserer Lebensmittel, macht auch der Transport einen festen Bestandteil innerhalb der Wertschöpfungskette aus. Zum Vergleich: der CO2-Anteil für Treibstoffverbrauch in g / Kg Ware aus der Region liegt bei 230g. Der Anteil für Produkte, die mit dem Flugzeug aus Übersee transportiert werden, liegt bei 11.000g. (4). Sind die Produkte dann endlich in unserem Haushalt angekommen, landen jährlich 18 Mio. Tonnen davon in der Tonne. Produkte, für die ca. 30% der weltweiten Agrarfläche unnötig genutzt werden.

Es gibt mehrere Gründe, weshalb in Deutschland so viele Lebensmittel verschwendet werden. Wertschätzung spielt eine wesentliche Rolle. In einer Zeit von Globalisierung und Digitalisierung, ist vielen das Wissen über Kulturpflanzen und Nutztiere verloren gegangen. Wir Deutschen werden satt, haben aber nur eine Ahnung davon, wie unser Essen auf die Teller kommt.

Raus aus Abhängigkeitsverhältnissen

Bevor ich letztes Jahr begann, mich intensiver mit der Herstellung von Nahrungsmitteln zu beschäftigen, wusste ich nicht einmal wie man Jungpflanzen selbst zieht. Heute wässere und „ausgeize“ ich meine Tomaten mit so viel Liebe, dass es mir „piepegal“ ist, wenn sie an manchen Stellen aufgesprungen und leicht matschig sind. Sie schmecken einfach viel besser als ihre in Plastik verpackten Freunde aus dem Supermarkt. Sie wegen vermeintlicher Unzulänglichkeit wegzuwerfen, käme mir nicht eine Sekunde lang in den Sinn. Selbstversorgung – sei es auch nur bis zu einem gewissen Grad – zwingt mich meine Hände in die Erde zu stecken. Ich verbinde mich mit der Natur und beginne zu begreifen, wo wir herkommen.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Deshalb, einfach ausprobieren! Selbst auf einem kleinen Balkon kannst du in Töpfen Tomaten oder Kräuter aussäen oder anpflanzen. Wenn du dich bei der hiesigen Auswahl nicht entscheiden magst, experimentiere ruhig ein wenig. Grundsätzlich sagt man: einjährige Kräuter zu einjährigen und mehrjährige zu mehrjährigen. Mein jüngster Favorit ist übrigens „Borretsch“. Mit dieser Pflanze kannst du Salate würzen und tolle Eintöpfe verfeinern. Schön ist auch die Kapuzinerkresse. Sie eignet sich nicht nur gut zum Beranken trister Hauswände, sondern auch zum Aufpeppen immergleicher Salate. Zusammen mit anderen Kräutern wie Thymian, Liebstöckel, Oregano oder Salbei sind sie allesamt auch echte Bienenweiden. Sommerfeeling garantiert!

Wenn du etwas mehr Platz zur Verfügung hast, kannst du im Mai noch Samen von Möhren, Erbsen und Kohlrabi aussäen. Auch Kürbis, Zuckermais und Zucchini dürfen nun endlich raus an die frische Luft. Sie gehören allerdings zu den Starkzehrern mit viel Platzbedarf. Wenn du einen Kompost hast, dann wäre dieser der perfekte Platz! 

Später dann, bei der Lagerung der geernteten oder gekauften Produkte, gibt es ein paar Dinge zu beachten. Hier ein paar Tipps:

Ich weiß schon – am Anfang hört sich das alles einigermaßen kompliziert an. Welches Gemüse wann, mit wem & wo??? Aber denk gar nicht so viel darüber nach! Wie NINO schon sagte: „Einfach machen und wenn’s nicht klappt, dann herausfinden woran es gelegen hat und besser machen.“

Was soll schon passieren?!

Deine erdhummel.

(1) Knorr, WWF & A. Drewnowski (2019),Future 50 Foods. 50 foods for healthier people and a healthier planet.
(2) WWF Living Planet Report (2020), WWF-Videokonferenz zum Thema Ernährung in den Grenzen unseres Planeten, 17.02.2021
(3) WWF (2012) Klimawandel auf dem Teller, https://www.wwf.de/fileadmin/user_upload/Klimawandel_auf_dem_Teller.pdf
(4) Verbraucherzentrale (2019), Klimaschutz beim Essen und Einkaufen, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/klimaschutz-beim-essen-und-einkaufen-10442

Dank Permakultur alte Werte neu entdecken

Mit Beginn meiner Jugend, bekamen materielle Dinge einen neuen Stellenwert. Fast plötzlich war es mir wichtig, die neusten Nikes zu besitzen und nicht das abgelegte Fahrrad meines älteren Bruders zu fahren. Beide Wünsche haben meine Eltern (zu meinem damaligen Bedauern und völligem Unverständnis) nicht unterstützt. Erst als Mutter begann ich zu verstehen, weshalb meine Eltern so streng im Umgang mit Konsumgütern waren und uns beibrachten, dass Teilen sowohl aus sozialer als auch nachhaltiger Sicht die einzige Lösung ist.

Miteinander teilen und füreinander sorgen

Die Trockenmauer aus Naturstein ist ein beliebtes Element der Permakultur

Heute, 30 Jahre später, beginnt sich das Blatt zu wenden und die Idee, nachhaltiger zu leben und Besitz zu teilen, etabliert sich wieder. Mehr Menschen beschäftigten sich mit den Zusammenhängen zwischen Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt und versuchen ihr tägliches Konsumverhalten anzupassen. 

Sorge für die Erde. Sorge für die Menschen. Begrenze Konsum und Wachstum und teile Überschüsse.

Permakultur Institut e.V. (1)

Bill Mollison und David Holmgren erging es in den 1970er Jahren ähnlich. Schon damals erkannten sie, dass die industrielle Landwirtschaft Böden zerstört und Wasserhaushalt und Artenvielfalt schädigt. Mit der Idee auf einem Stückchen Erde eine dauerhafte oder nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben, entstand auch die Vision der nachhaltigen Kultur – das „Prinzip Permakultur“. Die Idee der Permakultur basiert auf drei ethischen Prinzipien:

Permakultur als eine Lebenseinstellung

Mich als Permakultur-Neuling, erinnern diese Prinzipien stark an die „Sustainable Development Goals„. 17 politische Zielsetzungen, welche die Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene anstreben. Die Permakultur hingegen formuliert keine Ziele. Vielmehr ist sie ein Lösungskonzept und eine Lebenseinstellung. Hier liegt der Wunsch zu Grunde, im Einklang mit der Natur zu existieren. 

Anfang des Jahres lernte ich NINO kennen. NINO beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit dem Thema Permakultur und ist für mich ein Pionier auf dem Gebiet. Anders als die meisten Menschen, fand er nicht über das Thema „Selbstversorgung“ zur Permakultur. Für ihn war die Ideologie schon immer fundamentaler Bestandteil seines Lebens. Zeit, ihm ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

Permakultur-Experte Nino bei bei einem Kunden im Gemüsebeet
Nino bei der Arbeit in einem Permakultur-Garten

5 Fragen an den Permakulturexperten NINO

Was bedeutet „Permakultur“ für dich und inwiefern ist sie Teil deines Lebenskonzepts?

Sie gehört für mich zu einem erfüllten Leben dazu, da sie allumfassend ist. Sie betrifft ja nicht nur den Garten, sondern beschreibt auch das Leben mit Tieren, soziales Miteinander und bestimmte Verhaltensnormen. Insbesondere der Anbau von Gemüse ist mir wichtig, da er mir bis zu einem gewissen Grad auch eine wirtschaftliche Unabhängigkeit ermöglicht.

Unsere Gesellschaft ist stark von Konsum geprägt. Gab es Momente, in denen es dir schwer fiel dich dem zu entziehen? 

Auch wenn ich weitestgehend losgelöst von gesellschaftlichen Zwängen lebe, bestelle auch ich manchmal Bücher im Internet. Die Auswahl dort ist einfach besser. Generell versuche ich Konsum aber möglichst gering zu halten. Ich repariere meine Schuhe selbst, wenn sie kaputt gehen und unterwerfe mich nicht der neusten Mode. Für die Gründung meiner Firma habe ich nie einen Kredit aufgenommen. Geld das ich z.B. für die Anschaffung von Werkzeugen benötige, erarbeite ich mir vorab selbst. 

Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Merkmale eines Permakultur-Gartens?

Die Natur muss in den Kreislauf integriert sein. Das heißt, man sollte wenig bis gar keine Dinge / Substanzen von Außen zuführen. Statt Mulchmaterial zu kaufen, entspricht es mehr dem Permakultur-Prinzip, den eigenen Kompost effizienter zu nutzen.Der Aufwand muss im Verhältnis zum Ertrag stehen. Indem ich beispielsweise selbst Solarenergie für mein Gewächshaus generiere, bin ich von externen Systemen unabhängig und kann Gemüseanzucht viel effizienter betreiben.

Gibt es Irrtümer über die Permakultur, mit denen du gerne aufräumen würdest? 

Zum einen wird Permakultur gerne mit dem links-/grün-ideologischen Gedankengut in Verbindung gebracht. Statt politisch, ist Permakultur für mich freiheitlich. Zum anderen höre ich oft, dass Permakultur-Gärten keine Arbeit machen. Ein Garten macht immer Arbeit! Allein bei der Selbstversorgung muss Gemüse vorgezogen, gewässert, geerntet und konserviert werden. Der Schlüssel bei der Permakultur liegt viel mehr in der effizienten Umsetzung und Nutzung des Gartens. Wenn man das schafft, wird es über die Jahre hinweg dann immer weniger zu tun geben. 

Die „Permakultur“  etabliert sich gerade stärker. Glaubst du, das Konzept hat Zukunft und ist noch dazu massentauglich? 

Ja, Permakultur ist auf jeden Fall massentauglich. Wenn auch für jeden in etwas anderer Form. Wir erleben schon lange eine Stadt-Flucht. Durch die aktuelle Krisensituation verlangen wieder mehr Menschen nach mehr Raum und Natur. Beide Aspekte sind auf dem Land eher zu finden, als in der Stadt. Durch die Enge in Städten, kommt erschwerend der Faktor Neid hinzu. In der Stadt ist Permakultur eben noch ein finanzieller Luxus, den sich nur Wenige leisten können. Das kann sich durchaus ändern. In meinem Berufsalltag treffe ich immer mehr Menschen, die keine Lust auf „Smartcities“ haben und wieder natürlicher leben möchten. Für diese Menschen ist das Modell Permakultur der richtige Weg.

Hast du einen Tipp, für alle die erst am Anfang ihrer Permakultur-Karriere stehen?

Gerade bei der Selbstversorgung ist es wichtig, angstfrei zu sein. Einfach machen und wenn’s nicht klappt, dann herausfinden woran es gelegen hat und besser machen. 

Vielen Dank!

Die Zusammenarbeit mit Menschen wie NINO empfinde ich als sehr bereichernd. Sie lehren uns nicht nur viel über unsere Umwelt sondern beweisen, dass ein Leben weitab von Konsum durchaus Reize hat.

Ich für meinen Teil, möchte in Zukunft mehr meinem Herzen folgen und auch im Garten „einfach mal machen“.

Deine erdhummel.

(1) ttps://permakultur.de/was-ist-permakultur/

Mit Wabi Sabi zum eigenen Naturgarten

Wenn ich mich abends abschminke und (kritisch) in den Spiegel schaue, sehe ich mich. „Mich“ mit 38, mit Falten auf meiner Stirn und grauen Haaren an den Schläfen. Seltener hingegen sehe ich mich als Mutter, Frau, Freundin, Tiernärrin und ambitionierte Gärtnerin.

Natursteinweg im Hermannshof Weinheim, umrankt von Glyzinien
Unser Aufenthalt ist flüchtig

Weshalb empfinde ich es als so schwierig, Dinge so zu nehmen wie sie nun mal sind (und immer schon waren)? Gerne würde ich den „Zauber der Vergänglichkeit“ akzeptieren und im Moment leben ohne mich über die eigene Endlichkeit zu grämen. Vielleicht kann ich, können wir, die Japaner als Vorbild nehmen. Mit Wabi Sabi  gelingt es ihnen die perfekte Unvollkommenheit im Leben zu begrüßen und sogar zu zelebrieren.

Wabi – während das Wort bis zum 14. Jh mit Elend, Einsamkeit und Trostlosigkeit verknüpft wurde, erlangte es im Laufe der Zeit einen gänzlichen neuen Stellenwert in der Gesellschaft Japans. Statt mit Armut, begannen die Menschen es mit der Unabhängigkeit von materiellen Gütern und der tiefen Verbundenheit zur Natur zu verknüpfen. Es wurde zum Gegenentwurf von Perfektionismus und Prunksucht.

Sabi – dieses Wort steht für Patina, Reife und geschmackvolle Einfachheit. Durch die Verbindung der beiden Worte Wabi Sabi entstand ein ästhetisches Konzept, eine Weltanschauung die eng mit dem Zen-Buddhismus verwoben ist.

Nichts ist jemals fertig, alles ist vergänglich

Laut der buddhistischen Lehre ist unsere Existenz von drei Hauptmerkmalen geprägt: Vergänglichkeit, Leiden und Leere. Wie die Jahreszeiten, ist auch unser Leben vergänglich und von Geburt über Krankheit bis zum Tod von Leid geprägt. Die Leere bezieht sich auf das individuelle Selbst. Denn anders als in der westlichen Kultur, versteht die östliche Welt uns Menschen als Teil des Kosmos, in dem wir eins mit der Natur sind. Der Einzelne steht weder über den Anderen, noch über Mutter Erde. Stattdessen sind wir alle miteinander verbunden und gehen gemeinsam durch Höhen und Tiefen. Wir scheitern und wachsen an unseren Fehlern.

Erst wenn wir diesen Gedanken akzeptieren und mit dem Herzen verstehen, können wir gelassener werden und die Augen für die kleinen, subtilen Dinge schärfen. Sei es der duftende Kaffee, der uns hilft aus den Federn zu kommen oder die Maise auf dem Apfelbaum vor unserem Fenster. Für mich persönlich war es die Karte einer lieben Freundin, die mich daran erinnert hat, dass keine WhatsApp dieser Welt die Nähe eines geliebten Menschen ersetzen kann.

Was mich glücklich macht? Die kleinen, unerwarteten Dinge.

Wildnis ist ok, Wildnis ist Natur, Natur ist wir

Ein Wabi Sabi Garten ist ein Wohlfühlort, an dem wir sein dürfen wie wir sind – perfekt unperfekt. Ein Paradoxon, welches verdeutlicht, dass weder die Idee eines englischen Rasens, noch ein komplett verwilderter Garten dem Wabi Sabi Prinzip entsprechen. Vielmehr geht es darum, im harmonischen Dialog mit der Außenwelt, also auch dem Garten zu existieren. Ein Wabi Sabi Garten lädt dich ein, auf subtile Art Einfluss zu nehmen und zu beobachten, wie er sich von alleine entwickelt. Das braucht Geduld oder eben eine neue Form der Gelassenheit. Sicher ist, Vögel, Insekten und andere Tiere werden es dir danken.

„Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“

In einer Zeit, in der das Chaos permanent von Außen auf uns einzubrechen droht, kann der Gedanke den eigenen Garten „loszulassen“ beängstigend wirken. Die Kontrolle abzugeben (ohne dabei den gesamten Lebensentwurf in Frage zu stellen) kann jedoch wirklich befreiend wirken. Das letzte Jahr hat uns gelehrt, dass wir eigentlich nichts wirklich beeinflussen können. Während manche Menschen es bereits verinnerlicht haben, so fällt es mir nach wie vor schwer gelassener durchs Leben zu gehen. Neben mehr Yoga hilft mir der Garten, mich auf die Natur zurückzubesinnnen und ab und an Inne zu halten. Mein Weg zum Wabi Sabi Garten hat gerade erst begonnen und ich hoffe, dass diese Grundsätze mir helfen nicht davon abzukommen:

In diesem Sinne – wenn schon mehr, dann Wabi Sabi.

Deine erdhummel.

Quelle: Lepple, A. (2020) , Mein Wabi Sabi Garten – respektvoll gestalten, achtsam genießen, Eugen Ulmer KG, Stuttgart

Weniger ist mehr – Mit den drei R’s Gewohnheiten hinter sich lassen

Es heißt, der Mensch sei ein Gewohnheitstier. Und auch wenn ich mich dagegen sträube, neige ich dazu Dinge, Umstände oder Mitmenschen als „gegeben“ anzusehen. Nur hin und wieder gibt es Momente, da macht es in meinem Kopf „Klick“ und ich begreife, dass ich gar nicht mehr richtig hinschaue. Als ich begann, mich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen, sah ich plötzlich überall nur noch Müll. Dabei ließe sich das Problem mit den 3 R’s ziemlich leicht lösen!

In einer Wegwerfgesellschaft ist Müll sehr präsent

Die erdhummel bei einer ihrer regelmäßigen Müllsammel-Aktionen
Müllsammeln lohnt sich immer, fürs Gefühl und für die Umwelt

Auf einmal veränderte sich mein Blickwinkel und der Müll war da. Und zwar überall. Egal wohin ich schaute, ich sah nur noch Plastiktüten, To-Go Becher und Zigarettenstummel. Einmal aufgehoben, fiel es mir zunehmend schwerer daran vorbeizulaufen (auch wieder so eine lästige Gewohnheit). Apropos „laufen“ – wusstest du, dass „Plogging“ das Müllsammeln beim Jogging beschreibt? Das ist definitiv sinnvoll (man ist ja eh unterwegs) und auch befriedigend (#Gutestun), aber es hat mir auch das Joggen ein wenig vermiest.

Als Stadtkind ist der To-Go Becher für mich DAS Sinnbild für überflüssigen Konsum. Allein in Berlin werden jährlich 170 Millionen Wegwerfbecher benutzt und (oftmals) achtlos weggeworfen. (1)

Auch der To-Go Becher war 2019 in Deutschland Teil von 457kg privatem Müllaufkommen pro Kopf. Das sind 1,25kg pro Kopf pro Tag! Plastikmüll nimmt in dieser Statistik mit 146kg pro Kopf Platz 2 ein. (2) Erst hat mich diese Zahl nicht weiter tangiert, da ich immer davon ausging, dass aus den 146kg wieder neue Verpackungen produziert würden. Die Realität sieht allerdings anders aus. Nur 17% von 5,2 Mio. Tonnen Kunststoff-Abfällen in deutschen Haushalten & Gewerbe werden tatsächlich recycelt. Der Rest wird direkt zur Energiegewinnung verbrannt (60%), später in Recyclinganlagen vor Ort aussortiert (zu schmutzig, mindere Qualität) oder landet auf ausländischen Müllkippen. (3) Und so ist unser Problem heute zu einem globalen Problem geworden, das sich in den Meeren und in der Luft bemerkbar macht. Zum einen entstehen bei der Verbrennung giftige Gase, die teilweise in die Atmosphäre gelangen. Zum anderen benötigt man für die Herstellung von Plastik Rohöl. Aktuell wird 4-8% der weltweiten Ölproduktion allein dafür verwendet. Und mit wachsender Bevölkerung und zunehmendem Wohlstand, steigt auch hier der Bedarf.  Die Frage ist: Wie können wir den Bedarf zukünftig überhaupt noch decken, wenn wir doch bereits 2019 mit 100 Millionen Barrel pro Tag auf dem Höchststand des Möglichen waren? (4)

Plastik und seine Auswirkungen auf unsere Umwelt von 2014 bis 2050
Quelle: The New Plastics Economy (5)

We can’t just consume our way to a more sustainable world – Jennifer Nini

Es genügt nicht, nur unser Konsumverhalten zu verändern. Wir müssen unseren Konsum insgesamt reduzieren. Denn noch wichtiger als Recycling, ist die Vermeidung von Müll. Gelingen kann dies nur mit Hilfe einer „Kreislaufwirtschaft“ (mehr erfahren). Im Alltag allerdings werde ich sehr oft durch mangelnde Motivation der Industrie gelähmt, so dass auch kleine Veränderungen zum Kraftakt werden können. Ich denke da nur an in Plastik eingeschweißtes Bio-Gemüse…

Wenn dir wie mir im Alltag die Ideen, die Energie oder beides fehlt, können die folgenden Tipps einen guten Einstieg geben. Vielleicht hast du einiges davon bereits mal in Erwägung gezogen. Super, dann wird dir die Umsetzung jetzt noch leichter fallen.

Reducereduzieren

  1. Gute Dinge kommen sehr oft in kleinen Verpackungen: Fruchtzwerge, Mon Cherie oder Meisenknödel. Wenn möglich kaufe ich nur noch große Packungen, rühre Fruchtquark Zuhause an und mache Vogelfutter selbst.
  2. Brauche ich das wirklich? Lange habe ich mich nicht getraut, aber mittlerweile borge ich mir Werkzeuge und Gartengeräte in der Nachbarschaft. Das spart Ressourcen, Geld und Verpackungsmüll.
  3. Wasser aus beim Hände- und Haarewaschen! Zahnputzbecher reaktivieren und die Toilette nur spülen wenn nötig (halb so wild). Und für den Garten? In unserem Garten stehen seit Neustem drei Regentonnen.

Reuse – wiederverwenden

  1. Die meisten Altgläser verwende ich zum Einwecken von Marmelade oder Gemüse. Das geht sogar in der Mikrowelle! Glas reinstellen, Mikrowelle an und warten bis es „Plopp“ macht.
  2. Fernbedienungen, Nachtlampen und sogar Kinderbücher. Batterien sind in so vielen Produkten drin. Was ist aus der guten alten Akkubatterie geworden? Die schont seltene Erden (mehr) und spart Geld.
  3. Wühltische machen mich nervös. Für Kinderklamotten suche ich online bei Second-Hand Marktplätzen. Da ist alles vorsortiert. In unserer Nachbarschaft gibt’s jetzt eine WhatsApp „Kiez-Insider“-Gruppe, wo regelmäßig Schnäppchen für Haus & Garten angeboten werden. So eine Gruppe ist nicht nur schnell erstellt, sondern schafft auch Nähe.

Recycle – wiederverwerten

  1. Ich kann’s mir einfach nicht merken! Der Crashkurs für den gelben Sack: es darf alles rein was Verpackung ist oder mit dem mal etwas verpackt wurde (mehr)
  2. Elektroschrott ist ein Problem. Dennoch, brauche ich mein Handy auch beruflich. Eine Freundin machte mich auf „refurbished“ Handys aufmerksam. Wenn sich dein altes Modell nicht mal mehr für den Verkauf eignet, die Deutsche Umwelthilfe sammelt es und unterstützt damit die Kreislaufwirtschaft (So geht’s)
  3. Last but not least: der eigene Kompost! Warum er nicht umsonst „Das Gold des Gärtners“ genannt wird und was du beachten solltest erfährst du demnächst im zweiten Teil dieses Blogs.

Letzter Tipp: nimm dir für den Anfang nicht zu viel vor. Denn all diese Veränderungen sollen ja auch Spaß machen. Wichtig ist, dass du einfach loslegst.

#Actions speak louder than #Words

Deine erdhummel.

(1)https://betterworldcup.de/berlin/

(2)https://www.wallstreet-online.de/nachricht/13277167-muell-pro-kopf-aufkommen-deutschland

(3)www.tagesschau.de/faktenfinder/kurzerklaert/kurzerklaert-recycling-101.html 

(4)https://www.klimareporter.de/verkehr/100-000-000-barrel-oel-an-jedem-tag

(5) The New Plastics Economy – Rethinking the future of plastics (2016), World Economic Forum, Switzerland