Tipps für einen erfolgreichen Start in den eigenen Gemüsegarten

Hast du auch schon mal darüber nachgedacht, wie schön es wäre unabhängiger zu leben und zum Einkaufen einfach in den Garten gehen zu können? Der Gedanke sich selbst zu versorgen, hat für viele Menschen etwas Befreiendes. So befreiend, dass man den Aufwand dahinter am liebsten erstmal verdrängen würde. Angefangen bei der Vorbereitung der Beete und dem Vorziehen von Samen im Frühjahr, über das Wässern der Schützlinge im Sommer, bis hin zum Ernten und Haltbarmachen der Erzeugnisse ab dem Spätsommer, macht Selbstversorgung neben viel Spaß natürlich auch Arbeit. 

Aber man muss ja auch nicht immer gleich mit dem vollen Programm starten. Mit ein bis zwei Hochbeeten, verschiedenen Pflanztöpfen und Obststräuchern, kann man seine Küche bereits super „pimpen“. Egal ob du gleich mit mehreren Gemüsebeeten starten möchtest oder beschlossen hast, den Fokus erstmal auf den Anbau von Gemüse auf deinem Balkon zu legen – es lohnt, wenn du dich mit den grundlegenden Fragen bereits vor der ersten Aussat beschäftigst.

Platz – genügend & passend

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Kürbisse lieben einen schattigen Standort, wie den Kompost.

Um eine vierköpfige Familie komplett selbst zu versorgen, braucht man 150-200 Quadratmeter Nutzfläche. Wenn du klein anfangen möchtest, genügen wie gesagt auch ein bis zwei Hochbeete und Pflanztöpfe. Der Standort der Beete ist entscheidend. Sonne wirkt sich günstig auf ein gesundes Wachstum und die Ausbildung von Aroma- und Inhaltsstoffen aus. Dein Gemüse sollte mindestens 6 Stunden pro Tag in der Sonne liegen. Wärmeliebendes Gemüse wie Tomaten benötigen noch dazu einen geschützten Standort. Sie fühlen sich vor Hauswänden und in Gewächshäusern am wohlsten. 

Versorgung – DIY & nachhaltig

Ein gesundes Beet steht auf einem gesunden Boden. Besser als plastikverpackte Erde im Baumarkt zu kaufen, ist die Anlage eines eigenen Komposts. Dank ihm kannst du alles, was du deinem Garten entnommen hast, in wertvolle Erde verwandeln und für deine Beete nutzen. Tipps zur Entsorgung deiner Küchenabfälle auf dem eigenen Kompost, gibt’s auch in meinem Blog „Der Kompost: Paradebeispiel der Kreislaufwirtschaft“. 

Im Rahmen der Photosynthese benötigen deine Pflanzen neben Licht und Nährstoffen auch Wasser. Leitungswasser ist teuer, denn es wird mit viel Energieaufwand trinkfertig aufbereitet werden. Nachhaltiger ist es, Regenwasser selbst aufzufangen. Dafür kannst du deine Regenrinnen so umfunktionieren, dass Teile des Regenwassers in eine Regentonne ablaufen. Damit es nicht überläuft, gibt es im Handel mittlerweile auch entsprechende Überlaufschutzsysteme. 

Pflanzenwahl – regional & saisonal

Statt mit Exoten zu starten, überlege zunächst welche Obst- und Gemüsesorten in deiner Region wachsen. Die Erfolgschancen auf eine reiche Ernte sind höher, wenn die Sorten gegen unsere Schädlinge gewappnet und an die vorherrschenden klimatischen Bedingungen gewohnt sind. Apropos regional. Saatgut mit Nachbarn zu tauschen, ist eine schöne Gelegenheit mal wieder ins Gespräch zu kommen. Wir alle sind doch nach dem langen Winter dankbar, uns mit Gleichgesinnten über schöne Themen auszutauschen, die uns noch dazu die Finger jucken lassen.

Pflege – natürlich & in Maßen

Nacktschnecken können zur Plage werden, wenn der natürliche Feind fehlt.

Nach dem Motto „what goes around comes around“ kommt alles was wir in die Natur hineingeben, auch irgendwann wieder zu uns zurück. Pestizide und chemische Dünger gehören in keinen Garten. Denn Käfer und Schnecken gehören in die Tierwelt, wie Rotkehlchen und Igel. Ohne die Einen, gäbe es auch nicht die Anderen. Nimmt eine Population Überhand, müssen wir die Ursache für das Ungleichgewicht herausfinden. Standort, Nachbar und Pflege sind entscheidend für das gute Gedeihen der Pflanzen. Immer mehr Selbstversorger gehen deshalb wieder verstärkt Richtung Mischkultur, die den Einsatz von Chemikalien unnötig macht. Auf den Seiten des NABU findest du erste schöne Ideen, wie du deine Gemüsebeete nach dem Prinzip der Mischkultur anlegen kannst und was es bei der sogenannten Fruchtfolge zu beachten gibt.

Das hört sich jetzt erstmal viel an, aber ich sage immer „Einfach erstmal anfangen, auch wenn es kleine Schritte sind“. 

Das Gefühl, das dich beim Reinbeißen in deine eigene erste Möhre überkommen wird, entschädigt dann ohnehin alle Mühe. 

Deine erdhummel.

Wasser! Eine wertvolle Ressource, die man auch im Sommer aktiv schützen kann.

Mit einem Naturgarten sinnvoll Wasser sparen.

Eins meiner liebsten Kinderlieder handelt vom Regen und ist ein richtiger #ohrwurm! Immer wenn dicke Regentropen an mein Fenster klopfen, gelangt die Melodie in meinen Kopf und ich beginne zu singen. Erst leise und dann immer lauter. Vielleicht kennst du das Lied sogar:

Eine dicke Regenwolke kommt über’s Meer.

Eine dicke Regenwolke leise und schwer.

Hat den Bauch voll Wassereimer,

soviel Wasser trägt sonst keiner.

Muss die Welt begießen, die Bäume und die Wiesen

Und auch mein Radieschenbeet, das habe ich allein gesät.

Zitat aus „Der Traumzauberbaum“

In den letzten Jahren hat es insbesondere im Sommer so selten geregnet, dass ich meinen Spleen kaum ausleben konnte. Aktuell geht es mir diesbezüglich etwas besser und ich fühle mich auch noch nicht gezwungen, wie eine Verrückte mit der (gefühlt kleinsten Gießkanne der Welt) Straßenbäume und Hecken zu wässern.

Wie die globale Erwärmung unseren Regen beeinflusst

Aber weshalb ist in manchen Teilen Deutschlands in den letzten Jahren nicht mal die Hälfte der durchschnittlichen sommerlichen Regensummen gefallen? Stichwort „globale Erwärmung“. Die Veränderung unserer Atmosphäre, verändert auch globale Windströmungen, welche „Impulsgeber für die Entwicklung und für die Hartnäckigkeit gerade auch regionaler Witterungskapriolen“ sind. (1) Wir spüren diese Entwicklung immer öfter auch am schnellen Wechsel zwischen langanhaltender Trockenheit und Starkregen. Ich selbst stand 2017 in unserem Keller tagelang knöcheltief im Wasser.

Es ist ein Teufelskreis: je heißer es wird, desto trockener werden die Landschaften und umso mehr möchten wir unsere eigenen Gärten wässern. Während unsere Beete blühen, verdursten mancherorts ganze Wälder. Manche Gemeinden haben deshalb in den letzten Sommermonaten bereits ein Sprengverbot für Gärten erlassen. (2)

Dass unser Klima immer extremer wird, hängt also mit uns Menschen zusammen. Die Weltbevölkerung wächst und mit ihr der Bedarf an Energie, Nahrung und Wasser. Insbesondere wir Industrienationen müssen uns da ganz doll an unsere eigene Nase fassen. (3)

Die wichtigsten, wenn auch schockierendsten Trends unserer Zeit, die „Große Beschleunigung“

Es ist egal wie oft ich mir diese Grafik anschaue, ich bin jedes Mal aufs Neue schokiert! Es ist allerhöchste Zeit, dass wir aufhören immer nur aus dem Vollen zu schöpfen. Wir müssen #umdenken – nicht anfangen, sondern #einfachmachen! Die gute Nachricht ist: Vieles von dem wie wir es machen, können wir auch einfach anders machen. Fahrrad statt Auto, Wiederverwertern statt Wegwerfen, Wasserhahn aus statt Wasserhahn an. Im Haushalt ist das Wassersparen leicht umzusetzen: Hahn zu, Wasser aus. Aber was tun, wenn die Blümchen ihre Köpfe hängen lassen und der Rasen beginnt braun zu werden?

Nicht alles was braun ist, ist gleich tot

Präriebeete bilden eine starke Pflanzengemeinschaft und sind äußerst genügsam

Zum einen ist, wie immer, der richtige Standort für die Pflanzen wichtig. Pflanzen mit dicken, fleischig-saftigen Blättern vertragen sonnige Standorte. Sie nutzen ihre Blätter als Wasserspeicher und überstehen so mühelos auch längere Trockenzeiten. Ähnlich machen es Pflanzen mit Blattdornen. Berberitze, Robinie oder Akazie haben ihre Blätter zu Blattdornen umfunktioniert, wodurch es ihnen gelungen ist die verdunstende Oberfläche zu verringern und gekonnt Wasser einzusparen. Ich persönlich bin ein großer Fan vom Schmetterlingsflieder. Anders als der gemeine Flieder, ist er ein wahrer Insektenmagnet, der meist auch ohne Wasserzugabe herrlich blüht. Auch Fetthenne (mit ihren Dickblättern), die Schönmalve, Salbei und Frauenmantel machen jedem Gärtner das Leben leicht. Als anspruchslose Alleskönner gehören sie für mich in jeden naturnahen Garten.

Und was den Rasen angeht: lieber nicht zu kurz mähen und eine dünne Schicht Rasenschnitt als Schutz darauf liegen lassen. Außerdem nicht tagsüber, sondern spät abends oder früh morgens sprengen. Es genügt, wenn du den Rasen selbst bei Trockenheit alle vier Tage oder einmal in der Woche sprengst. (6) Keine Sorge, brauner Rasen ist nicht tot. Er hat sich nur in die „Sommer-Dormanz“ begeben. Sobald es wieder feuchter und kühler wird, treibt er an der Basis neu aus. (4)

Praktische Tipps, wie du im Garten Wasser sparst

  • Bäume pflanzen – sie spenden Schatten und unterstützen Böden den bei der Wasserspeicherung
  • Böden verbessern – sandige Böden mit Humus aufbessern um die Wasserspeicherung zu verbessern
  • Regenwasser in Regentonnen sammeln
  • Effektiv wässern – Tropfschläuche vs. Sprenger und Kreiselregner
  • Seltener gießen – Pflanzen zwingen tiefe Wurzeln zu bilden
  • Böden schützen – Bodendecker & regelmäßiges Mulchen als Schutz vor Hitze / Kälte
  • Verstärkt auf Pflanzen setzen, die Trockenheit vertragen (z.B. Präriebeete)

Präriebeete sind toll! Sie sind naturnah, langlebig und pflegeleicht. Welche Pflanzen sich dafür besonders eignen, zeige ich dir in den nächsten Wochen immer mal wieder auf Instagram unter erdhummel_naturgarten.  

Ich freu‘ mich auf dich!

Deine erdhummel

(1)https://www.wetteronline.de/wetternews/seit-drei-jahren-zu-wenig-regen-regional-muesste-es-wochen-regnen-2020-09-11-ds
(2)https://www.maz-online.de/Lokales/Oberhavel/Wenn-Gaertner-nicht-giessen-duerfen
(3) University of Cambridge, Business Sustainability Management, Online Short Course, Module 1 Unit 1, Systems pressures and trends (2020)
(4)https://www.br.de/wissen/desertifikation-verwuestung-wuestenbildung-ausbreitung-wueste-100.html
(5)https://www.plantura.garden/gartentipps/gartenpraxis/wasser-sparen-im-garten-6-wertvolle-tipps
(6)https://www.gartenjournal.net/rasen-sprengen

Unser Essen geht um die Welt: wie Ernährung einen Unterschied machen kann.

Während meines Studiums in Frankreich, erklärte mir eine durchaus humorvolle Freundin, dass sie uns Deutsche immer mit einem bestimmten Satz in Verbindung bringt: „Isch liebe Wurst!“. Als später meine erste Tochter an fast jeder Frischetheke eine Wurst auf die Hand bekam, musste ich unweigerlich an diesen Satz denken und in mich hineinschmunzeln.

Aus Respekt vor Tieren, habe ich aufgehört Fleisch zu essen. Auslöser war ein Newsletter von PETA vor 5 Jahren. Der Gedanke, komplett auf Fleisch zu verzichten, löst bei vielen Menschen in meinem Umfeld ein ungutes Gefühl aus. Dabei ist die fleischlose Küche echt vielfältig. Neben verschiedensten Kochbüchern aus aller Welt, gibt’s in gut geführten Supermärkten eine große Auswahl an veganen „Fleischprodukten“. Zudem wird man mit der Zeit ohnehin experimentierfreudiger. Kohl zum Beispiel muss nicht immer mit Speck oder Hackfleisch angebraten werden, um eine würzige Note zu erhalten. Neulich habe ich ein Kohlcurry mit Mandeln gekocht, das wirklich allen geschmeckt hat.

Weniger Fleisch & Wurst, mehr Gemüse & Obst aus der Region, weniger wegwerfen

Fleisch zu essen ist keine Sünde. Neben der Herkunft der Produkte, macht aber eben auch die Menge den Unterschied. Denn Vielfalt auf unseren Tellern, schafft Vielfalt in der Landwirtschaft (Agrobiodiversität). 75% der weltweiten Nahrungsmittelversorgung stammt von nur 12 Pflanzen- und Tierarten. Diese Ernährungsmonotonie gipfelt in einem Rückgang der Vielfalt von Pflanzen und Tieren und ist Grund dafür, dass seit 1900 bereits 75% der genetischen Pflanzenvielfalt in der Landwirtschaft verloren gegangen sind.(1)

Lebensmittelproduktion und ihr Einfluss auf die Natur
Lebensmittelproduktion und ihr Einfluss auf die Natur (2)
Co2 Abdruck von Tomaten unterschiedlicher Herkunft
Der CO2-Ausstoß einer Tomate: Regional, Flugtomate, Freiland, Regaional & Saisonal

Laut einer Studie des WWF von 2012 liegt der Anteil der Landwirtschaft am Gesamtausstoß von Treibhausgasen bei über 10%. (3) Neben der Produktion, Verarbeitung und Verpackung unserer Lebensmittel, macht auch der Transport einen festen Bestandteil innerhalb der Wertschöpfungskette aus. Zum Vergleich: der CO2-Anteil für Treibstoffverbrauch in g / Kg Ware aus der Region liegt bei 230g. Der Anteil für Produkte, die mit dem Flugzeug aus Übersee transportiert werden, liegt bei 11.000g. (4). Sind die Produkte dann endlich in unserem Haushalt angekommen, landen jährlich 18 Mio. Tonnen davon in der Tonne. Produkte, für die ca. 30% der weltweiten Agrarfläche unnötig genutzt werden.

Es gibt mehrere Gründe, weshalb in Deutschland so viele Lebensmittel verschwendet werden. Wertschätzung spielt eine wesentliche Rolle. In einer Zeit von Globalisierung und Digitalisierung, ist vielen das Wissen über Kulturpflanzen und Nutztiere verloren gegangen. Wir Deutschen werden satt, haben aber nur eine Ahnung davon, wie unser Essen auf die Teller kommt.

Raus aus Abhängigkeitsverhältnissen

Bevor ich letztes Jahr begann, mich intensiver mit der Herstellung von Nahrungsmitteln zu beschäftigen, wusste ich nicht einmal wie man Jungpflanzen selbst zieht. Heute wässere und „ausgeize“ ich meine Tomaten mit so viel Liebe, dass es mir „piepegal“ ist, wenn sie an manchen Stellen aufgesprungen und leicht matschig sind. Sie schmecken einfach viel besser als ihre in Plastik verpackten Freunde aus dem Supermarkt. Sie wegen vermeintlicher Unzulänglichkeit wegzuwerfen, käme mir nicht eine Sekunde lang in den Sinn. Selbstversorgung – sei es auch nur bis zu einem gewissen Grad – zwingt mich meine Hände in die Erde zu stecken. Ich verbinde mich mit der Natur und beginne zu begreifen, wo wir herkommen.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Deshalb, einfach ausprobieren! Selbst auf einem kleinen Balkon kannst du in Töpfen Tomaten oder Kräuter aussäen oder anpflanzen. Wenn du dich bei der hiesigen Auswahl nicht entscheiden magst, experimentiere ruhig ein wenig. Grundsätzlich sagt man: einjährige Kräuter zu einjährigen und mehrjährige zu mehrjährigen. Mein jüngster Favorit ist übrigens „Borretsch“. Mit dieser Pflanze kannst du Salate würzen und tolle Eintöpfe verfeinern. Schön ist auch die Kapuzinerkresse. Sie eignet sich nicht nur gut zum Beranken trister Hauswände, sondern auch zum Aufpeppen immergleicher Salate. Zusammen mit anderen Kräutern wie Thymian, Liebstöckel, Oregano oder Salbei sind sie allesamt auch echte Bienenweiden. Sommerfeeling garantiert!

Wenn du etwas mehr Platz zur Verfügung hast, kannst du im Mai noch Samen von Möhren, Erbsen und Kohlrabi aussäen. Auch Kürbis, Zuckermais und Zucchini dürfen nun endlich raus an die frische Luft. Sie gehören allerdings zu den Starkzehrern mit viel Platzbedarf. Wenn du einen Kompost hast, dann wäre dieser der perfekte Platz! 

Später dann, bei der Lagerung der geernteten oder gekauften Produkte, gibt es ein paar Dinge zu beachten. Hier ein paar Tipps:

Ich weiß schon – am Anfang hört sich das alles einigermaßen kompliziert an. Welches Gemüse wann, mit wem & wo??? Aber denk gar nicht so viel darüber nach! Wie NINO schon sagte: „Einfach machen und wenn’s nicht klappt, dann herausfinden woran es gelegen hat und besser machen.“

Was soll schon passieren?!

Deine erdhummel.

(1) Knorr, WWF & A. Drewnowski (2019),Future 50 Foods. 50 foods for healthier people and a healthier planet.
(2) WWF Living Planet Report (2020), WWF-Videokonferenz zum Thema Ernährung in den Grenzen unseres Planeten, 17.02.2021
(3) WWF (2012) Klimawandel auf dem Teller, https://www.wwf.de/fileadmin/user_upload/Klimawandel_auf_dem_Teller.pdf
(4) Verbraucherzentrale (2019), Klimaschutz beim Essen und Einkaufen, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/klimaschutz-beim-essen-und-einkaufen-10442

Dank Permakultur alte Werte neu entdecken

Mit Beginn meiner Jugend, bekamen materielle Dinge einen neuen Stellenwert. Fast plötzlich war es mir wichtig, die neusten Nikes zu besitzen und nicht das abgelegte Fahrrad meines älteren Bruders zu fahren. Beide Wünsche haben meine Eltern (zu meinem damaligen Bedauern und völligem Unverständnis) nicht unterstützt. Erst als Mutter begann ich zu verstehen, weshalb meine Eltern so streng im Umgang mit Konsumgütern waren und uns beibrachten, dass Teilen sowohl aus sozialer als auch nachhaltiger Sicht die einzige Lösung ist.

Miteinander teilen und füreinander sorgen

Die Trockenmauer aus Naturstein ist ein beliebtes Element der Permakultur

Heute, 30 Jahre später, beginnt sich das Blatt zu wenden und die Idee, nachhaltiger zu leben und Besitz zu teilen, etabliert sich wieder. Mehr Menschen beschäftigten sich mit den Zusammenhängen zwischen Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt und versuchen ihr tägliches Konsumverhalten anzupassen. 

Sorge für die Erde. Sorge für die Menschen. Begrenze Konsum und Wachstum und teile Überschüsse.

Permakultur Institut e.V. (1)

Bill Mollison und David Holmgren erging es in den 1970er Jahren ähnlich. Schon damals erkannten sie, dass die industrielle Landwirtschaft Böden zerstört und Wasserhaushalt und Artenvielfalt schädigt. Mit der Idee auf einem Stückchen Erde eine dauerhafte oder nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben, entstand auch die Vision der nachhaltigen Kultur – das „Prinzip Permakultur“. Die Idee der Permakultur basiert auf drei ethischen Prinzipien:

Permakultur als eine Lebenseinstellung

Mich als Permakultur-Neuling, erinnerten diese Prinzipien stark an die „Sustainable Development Goals„. 17 politische Zielsetzungen, welche die Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene anstreben. Die Permakultur hingegen formuliert keine Ziele. Vielmehr ist sie ein Lösungskonzept und Lebenseinstellung, welcher der Wunsch zu Grunde liegt, im Einklang mit der Natur zu existieren. 

Anfang des Jahres lernte ich NINO kennen. NINO beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit dem Thema Permakultur und ist für mich ein Pionier auf dem Gebiet. Anders als die meisten Menschen, fand er nicht über das Thema „Selbstversorgung“ zur Permakultur. Für ihn war die Ideologie schon immer fundamentaler Bestandteil seines Lebens. Zeit, ihm ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

Permakultur-Experte Nino bei bei einem Kunden im Gemüsebeet
Nino bei der Arbeit in einem Permakultur-Garten

5 Fragen an den Permakulturexperten NINO

Was bedeutet „Permakultur“ für dich und inwiefern ist sie Teil deines Lebenskonzepts?

Sie gehört für mich zu einem erfüllten Leben dazu, da sie allumfassend ist. Sie betrifft ja nicht nur den Garten, sondern beschreibt auch das Leben mit Tieren, soziales Miteinander und bestimmte Verhaltensnormen. Insbesondere der Anbau von Gemüse ist mir wichtig, da er mir bis zu einem gewissen Grad auch eine wirtschaftliche Unabhängigkeit ermöglicht.

Unsere Gesellschaft ist stark von Konsum geprägt. Gab es Momente, in denen es dir schwer fiel dich dem zu entziehen? 

Auch wenn ich weitestgehend losgelöst von gesellschaftlichen Zwängen lebe, bestelle auch ich manchmal Bücher im Internet. Die Auswahl dort ist einfach besser. Generell versuche ich Konsum aber möglichst gering zu halten. Ich repariere meine Schuhe selbst, wenn sie kaputt gehen und unterwerfe mich nicht der neusten Mode. Für die Gründung meiner Firma habe ich nie einen Kredit aufgenommen. Geld das ich z.B. für die Anschaffung von Werkzeugen benötige, erarbeite ich mir vorab selbst. 

Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Merkmale eines Permakultur-Gartens?

Die Natur muss in den Kreislauf integriert sein. Das heißt, man sollte wenig bis gar keine Dinge / Substanzen von Außen zuführen. Statt Mulchmaterial zu kaufen, entspricht es mehr dem Permakultur-Prinzip, den eigenen Kompost effizienter zu nutzen.Der Aufwand muss im Verhältnis zum Ertrag stehen. Indem ich beispielsweise selbst Solarenergie für mein Gewächshaus generiere, bin ich von externen Systemen unabhängig und kann Gemüseanzucht viel effizienter betreiben.

Gibt es Irrtümer über die Permakultur, mit denen du gerne aufräumen würdest? 

Zum einen wird Permakultur gerne mit dem links-/grün-ideologischen Gedankengut in Verbindung gebracht. Statt politisch, ist Permakultur für mich freiheitlich. Zum anderen höre ich oft, dass Permakultur-Gärten keine Arbeit machen. Ein Garten macht immer Arbeit! Allein bei der Selbstversorgung muss Gemüse vorgezogen, gewässert, geerntet und konserviert werden. Der Schlüssel bei der Permakultur liegt viel mehr in der effizienten Umsetzung und Nutzung des Gartens. Wenn man das schafft, wird es über die Jahre hinweg dann immer weniger zu tun geben. 

Die „Permakultur“  etabliert sich gerade stärker. Glaubst du, das Konzept hat Zukunft und ist noch dazu massentauglich? 

Ja, Permakultur ist auf jeden Fall massentauglich. Wenn auch für jeden in etwas anderer Form. Wir erleben schon lange eine Stadt-Flucht. Durch die aktuelle Krisensituation verlangen wieder mehr Menschen nach mehr Raum und Natur. Beide Aspekte sind auf dem Land eher zu finden, als in der Stadt. Durch die Enge in Städten, kommt erschwerend der Faktor Neid hinzu. In der Stadt ist Permakultur eben noch ein finanzieller Luxus, den sich nur Wenige leisten können. Das kann sich durchaus ändern. In meinem Berufsalltag treffe ich immer mehr Menschen, die keine Lust auf „Smartcities“ haben und wieder natürlicher leben möchten. Für diese Menschen ist das Modell Permakultur der richtige Weg.

Hast du einen Tipp, für alle die erst am Anfang ihrer Permakultur-Karriere stehen?

Gerade bei der Selbstversorgung ist es wichtig, angstfrei zu sein. Einfach machen und wenn’s nicht klappt, dann herausfinden woran es gelegen hat und besser machen. 

Vielen Dank!

Die Zusammenarbeit mit Menschen wie NINO empfinde ich als sehr bereichernd. Sie lehren uns nicht nur viel über unsere Umwelt sondern beweisen, dass ein Leben weitab von Konsum durchaus Reize hat. Es hat ein bisschen gedauert, aber mittlerweile habe ich meine anfängliche Angst vor der Komplexität der Permakultur überwunden.

In Zukunft möchte ich mehr meinem Herzen folgen und auch im Garten „einfach machen“.

Deine erdhummel.

(1) ttps://permakultur.de/was-ist-permakultur/

Mit Wabi Sabi zum eigenen Naturgarten

Wenn ich mich abends abschminke und (kritisch) in den Spiegel schaue, sehe ich mich. „Mich“ mit 38, mit Falten auf meiner Stirn und grauen Haaren an den Schläfen. Seltener hingegen sehe ich mich als Mutter, Frau, Freundin, Tiernärrin und ambitionierte Gärtnerin.

Natursteinweg im Hermannshof Weinheim, umrankt von Glyzinien
Unser Aufenthalt ist flüchtig

Weshalb empfinde ich es als so schwierig, Dinge so zu nehmen wie sie nun mal sind (und immer schon waren)? Gerne würde ich den „Zauber der Vergänglichkeit“ akzeptieren und im Moment leben ohne mich über die eigene Endlichkeit zu grämen. Vielleicht kann ich, können wir, die Japaner als Vorbild nehmen. Mit Wabi Sabi  gelingt es ihnen die perfekte Unvollkommenheit im Leben zu begrüßen und sogar zu zelebrieren.

Wabi – während das Wort bis zum 14. Jh mit Elend, Einsamkeit und Trostlosigkeit verknüpft wurde, erlangte es im Laufe der Zeit einen gänzlichen neuen Stellenwert in der Gesellschaft Japans. Statt mit Armut, begannen die Menschen es mit der Unabhängigkeit von materiellen Gütern und der tiefen Verbundenheit zur Natur zu verknüpfen. Es wurde zum Gegenentwurf von Perfektionismus und Prunksucht.

Sabi – dieses Wort steht für Patina, Reife und geschmackvolle Einfachheit. Durch die Verbindung der beiden Worte Wabi Sabi entstand ein ästhetisches Konzept, eine Weltanschauung die eng mit dem Zen-Buddhismus verwoben ist.

Nichts ist jemals fertig, alles ist vergänglich

Laut der buddhistischen Lehre ist unsere Existenz von drei Hauptmerkmalen geprägt: Vergänglichkeit, Leiden und Leere. Wie die Jahreszeiten, ist auch unser Leben vergänglich und von Geburt über Krankheit bis zum Tod von Leid geprägt. Die Leere bezieht sich auf das individuelle Selbst. Denn anders als in der westlichen Kultur, versteht die östliche Welt uns Menschen als Teil des Kosmos, in dem wir eins mit der Natur sind. Der Einzelne steht weder über den Anderen, noch über Mutter Erde. Stattdessen sind wir alle miteinander verbunden und gehen gemeinsam durch Höhen und Tiefen. Wir scheitern und wachsen an unseren Fehlern.

Erst wenn wir diesen Gedanken akzeptieren und mit dem Herzen verstehen, können wir gelassener werden und die Augen für die kleinen, subtilen Dinge schärfen. Sei es der duftende Kaffee, der uns hilft aus den Federn zu kommen oder die Maise auf dem Apfelbaum vor unserem Fenster. Für mich persönlich war es die Karte einer lieben Freundin, die mich daran erinnert hat, dass keine WhatsApp dieser Welt die Nähe eines geliebten Menschen ersetzen kann.

Was mich glücklich macht? Die kleinen, unerwarteten Dinge.

Wildnis ist ok, Wildnis ist Natur, Natur ist wir

Ein Wabi Sabi Garten ist ein Wohlfühlort, an dem wir sein dürfen wie wir sind – perfekt unperfekt. Ein Paradoxon, welches verdeutlicht, dass weder die Idee eines englischen Rasens, noch ein komplett verwilderter Garten dem Wabi Sabi Prinzip entsprechen. Vielmehr geht es darum, im harmonischen Dialog mit der Außenwelt, also auch dem Garten zu existieren. Ein Wabi Sabi Garten lädt dich ein, auf subtile Art Einfluss zu nehmen und zu beobachten, wie er sich von alleine entwickelt. Das braucht Geduld oder eben eine neue Form der Gelassenheit. Sicher ist, Vögel, Insekten und andere Tiere werden es dir danken.

„Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“

In einer Zeit, in der das Chaos permanent von Außen auf uns einzubrechen droht, kann der Gedanke den eigenen Garten „loszulassen“ beängstigend wirken. Die Kontrolle abzugeben (ohne dabei den gesamten Lebensentwurf in Frage zu stellen) kann jedoch wirklich befreiend wirken. Das letzte Jahr hat uns gelehrt, dass wir eigentlich nichts wirklich beeinflussen können. Während manche Menschen es bereits verinnerlicht haben, so fällt es mir nach wie vor schwer gelassener durchs Leben zu gehen. Neben mehr Yoga hilft mir der Garten, mich auf die Natur zurückzubesinnnen und ab und an Inne zu halten. Mein Weg zum Wabi Sabi Garten hat gerade erst begonnen und ich hoffe, dass diese Grundsätze mir helfen nicht davon abzukommen:

In diesem Sinne – wenn schon mehr, dann Wabi Sabi.

Deine erdhummel.

Quelle: Lepple, A. (2020) , Mein Wabi Sabi Garten – respektvoll gestalten, achtsam genießen, Eugen Ulmer KG, Stuttgart

Weniger ist mehr – Mit den drei R’s Gewohnheiten hinter sich lassen

Es heißt, der Mensch sei ein Gewohnheitstier. Und auch wenn ich mich dagegen sträube, neige ich dazu Dinge, Umstände oder Mitmenschen als „gegeben“ anzusehen. Nur hin und wieder gibt es Momente, da macht es in meinem Kopf „Klick“ und ich begreife, dass ich gar nicht mehr richtig hinschaue. Als ich begann, mich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen, sah ich plötzlich überall nur noch Müll. Dabei ließe sich das Problem mit den 3 R’s ziemlich leicht lösen!

In einer Wegwerfgesellschaft ist Müll sehr präsent

Die erdhummel bei einer ihrer regelmäßigen Müllsammel-Aktionen
Müllsammeln lohnt sich immer, fürs Gefühl und für die Umwelt

Auf einmal veränderte sich mein Blickwinkel und der Müll war da. Und zwar überall. Egal wohin ich schaute, ich sah nur noch Plastiktüten, To-Go Becher und Zigarettenstummel. Einmal aufgehoben, fiel es mir zunehmend schwerer daran vorbeizulaufen (auch wieder so eine lästige Gewohnheit). Apropos „laufen“ – wusstest du, dass „Plogging“ das Müllsammeln beim Jogging beschreibt? Das ist definitiv sinnvoll (man ist ja eh unterwegs) und auch befriedigend (#Gutestun), aber es hat mir auch das Joggen ein wenig vermiest.

Als Stadtkind ist der To-Go Becher für mich DAS Sinnbild für überflüssigen Konsum. Allein in Berlin werden jährlich 170 Millionen Wegwerfbecher benutzt und (oftmals) achtlos weggeworfen. (1)

Auch der To-Go Becher war 2019 in Deutschland Teil von 457kg privatem Müllaufkommen pro Kopf. Das sind 1,25kg pro Kopf pro Tag! Plastikmüll nimmt in dieser Statistik mit 146kg pro Kopf Platz 2 ein. (2) Erst hat mich diese Zahl nicht weiter tangiert, da ich immer davon ausging, dass aus den 146kg wieder neue Verpackungen produziert würden. Die Realität sieht allerdings anders aus. Nur 17% von 5,2 Mio. Tonnen Kunststoff-Abfällen in deutschen Haushalten & Gewerbe werden tatsächlich recycelt. Der Rest wird direkt zur Energiegewinnung verbrannt (60%), später in Recyclinganlagen vor Ort aussortiert (zu schmutzig, mindere Qualität) oder landet auf ausländischen Müllkippen. (3) Und so ist unser Problem heute zu einem globalen Problem geworden, das sich in den Meeren und in der Luft bemerkbar macht. Zum einen entstehen bei der Verbrennung giftige Gase, die teilweise in die Atmosphäre gelangen. Zum anderen benötigt man für die Herstellung von Plastik Rohöl. Aktuell wird 4-8% der weltweiten Ölproduktion allein dafür verwendet. Und mit wachsender Bevölkerung und zunehmendem Wohlstand, steigt auch hier der Bedarf.  Die Frage ist: Wie können wir den Bedarf zukünftig überhaupt noch decken, wenn wir doch bereits 2019 mit 100 Millionen Barrel pro Tag auf dem Höchststand des Möglichen waren? (4)

Plastik und seine Auswirkungen auf unsere Umwelt von 2014 bis 2050
Quelle: The New Plastics Economy (5)

We can’t just consume our way to a more sustainable world – Jennifer Nini

Es genügt nicht, nur unser Konsumverhalten zu verändern. Wir müssen unseren Konsum insgesamt reduzieren. Denn noch wichtiger als Recycling, ist die Vermeidung von Müll. Gelingen kann dies nur mit Hilfe einer „Kreislaufwirtschaft“ (mehr erfahren). Im Alltag allerdings werde ich sehr oft durch mangelnde Motivation der Industrie gelähmt, so dass auch kleine Veränderungen zum Kraftakt werden können. Ich denke da nur an in Plastik eingeschweißtes Bio-Gemüse…

Wenn dir wie mir im Alltag die Ideen, die Energie oder beides fehlt, können die folgenden Tipps einen guten Einstieg geben. Vielleicht hast du einiges davon bereits mal in Erwägung gezogen. Super, dann wird dir die Umsetzung jetzt noch leichter fallen.

Reducereduzieren

  1. Gute Dinge kommen sehr oft in kleinen Verpackungen: Fruchtzwerge, Mon Cherie oder Meisenknödel. Wenn möglich kaufe ich nur noch große Packungen, rühre Fruchtquark Zuhause an und mache Vogelfutter selbst.
  2. Brauche ich das wirklich? Lange habe ich mich nicht getraut, aber mittlerweile borge ich mir Werkzeuge und Gartengeräte in der Nachbarschaft. Das spart Ressourcen, Geld und Verpackungsmüll.
  3. Wasser aus beim Hände- und Haarewaschen! Zahnputzbecher reaktivieren und die Toilette nur spülen wenn nötig (halb so wild). Und für den Garten? In unserem Garten stehen seit Neustem drei Regentonnen.

Reuse – wiederverwenden

  1. Die meisten Altgläser verwende ich zum Einwecken von Marmelade oder Gemüse. Das geht sogar in der Mikrowelle! Glas reinstellen, Mikrowelle an und warten bis es „Plopp“ macht.
  2. Fernbedienungen, Nachtlampen und sogar Kinderbücher. Batterien sind in so vielen Produkten drin. Was ist aus der guten alten Akkubatterie geworden? Die schont seltene Erden (mehr) und spart Geld.
  3. Wühltische machen mich nervös. Für Kinderklamotten suche ich online bei Second-Hand Marktplätzen. Da ist alles vorsortiert. In unserer Nachbarschaft gibt’s jetzt eine WhatsApp „Kiez-Insider“-Gruppe, wo regelmäßig Schnäppchen für Haus & Garten angeboten werden. So eine Gruppe ist nicht nur schnell erstellt, sondern schafft auch Nähe.

Recycle – wiederverwerten

  1. Ich kann’s mir einfach nicht merken! Der Crashkurs für den gelben Sack: es darf alles rein was Verpackung ist oder mit dem mal etwas verpackt wurde (mehr)
  2. Elektroschrott ist ein Problem. Dennoch, brauche ich mein Handy auch beruflich. Eine Freundin machte mich auf „refurbished“ Handys aufmerksam. Wenn sich dein altes Modell nicht mal mehr für den Verkauf eignet, die Deutsche Umwelthilfe sammelt es und unterstützt damit die Kreislaufwirtschaft (So geht’s)
  3. Last but not least: der eigene Kompost! Warum er nicht umsonst „Das Gold des Gärtners“ genannt wird und was du beachten solltest erfährst du demnächst im zweiten Teil dieses Blogs.

Letzter Tipp: nimm dir für den Anfang nicht zu viel vor. Denn all diese Veränderungen sollen ja auch Spaß machen. Wichtig ist, dass du einfach loslegst.

#Actions speak louder than #Words

Deine erdhummel.

(1)https://betterworldcup.de/berlin/

(2)https://www.wallstreet-online.de/nachricht/13277167-muell-pro-kopf-aufkommen-deutschland

(3)www.tagesschau.de/faktenfinder/kurzerklaert/kurzerklaert-recycling-101.html 

(4)https://www.klimareporter.de/verkehr/100-000-000-barrel-oel-an-jedem-tag

(5) The New Plastics Economy – Rethinking the future of plastics (2016), World Economic Forum, Switzerland

Endlich was tun gegen Umweltkummer – erdhummel fliegt los

Die Wahrheit zuerst: Ich bin nicht die geborene „Ökoqueen“. Ich kenne die Vorzüge der morgendlichen Autofahrt ins Büro, wenn das Thermometer unter Null fällt und ich stimme jedem zu, der eine Auszeit im Ausland als bewusstseinserweiternd empfindet. Niemals würde ich meine drei Monate Dschungelleben unter Affen gegen drei Monate Campingurlaub in Deutschland tauschen wollen.

Aber da war dieser Moment an einem Nachmittag im Sommer 2014. Ich brutzelte entspannt auf der Gartenliege vor mich hin und stellte zwei Dinge fest. Es war einfach unglaublich heiß und unglaublich still.

Ich muss zugeben, es hat ein wenig gedauert, bis ich begriff, dass „ohne Natur kein Schatten und kein Tier“. Mittlerweile kann ich einfach nicht mehr anders, als der Natur stetig mehr Raum in meinem Leben einzuräumen. Wenn ich heute Zeit auf der Gartenliege verbringe (mit LSF 30 im Schatten des Baumes) verstehe ich, wie magisch es ist, wenn es im Lavendel summt und auf meinen Beinen krabbelt.

erdhummel schiebt ihre zwei Mädchen in der Schubkarre durch den Garten
Mit meinen beiden Mädchen macht Gartenarbeit doppelt Spaß

Frustthema Nachhaltigkeit

Das letzte Jahr war turbulent. Während ich versucht habe, das WFH-Modell auf einen Alltag mit Kindern und Hunden zu adaptieren, diskutierte die Welt über Corona und die Klimakrise. Und wer hätte gedacht, dass beide Themen so eng miteinander verwoben sind? Wie der WWF im „Living Planet Report 2020“ zusammenfasst: „Die immensen Zusammenhänge zwischen intakten Ökosystemen und menschlicher Gesundheit werden immer offensichtlicher. Sie reichen von der Erzeugung von Arznei aus Pflanzen bis hin zur Wasserfiltration durch Feuchtgebiete. Die Biodiversität hat vielfältige positive Wirkungen auf unsere Gesundheit.“ (1)

Aber diese ‚immensen Zusammenhänge‘ können auch echt frustrieren. Laut der FAZ ist die Bedeutung des Welthandels in 2020 nicht nur gewachsen (China exportierte 2020 so viel wie noch nie), auch hat sich unsere Welt weiterhin durch zunehmende Urbanisierung und Konsum verändert. Zwar beginnen einige globale Unternehmen konkrete Ziele im Sinne der Nachhaltigkeit zu setzen. Wie Bloomberg Green berichtete, ist beispielsweise Amazons CO2-Fußabdruck für 2019 um 15 % auf 51,17 Millionen Tonnen gestiegen. Das ist mehr als für das gesamte Land Schweden.

Weltkarte des ökologischen Fußabdrucks des Konsums pro Person vom WWF
Weltweiter ökologischer Fußabdruck pro Person

Think global, act local

Bringt es dann überhaupt etwas, dass ich mit dem Fahrrad zur Buchhandlung fahre, während mein Nachbar seine tägliche Prime-Lieferung mit dem Auto geliefert bekommt? Die Antwort ist „Ja“!

Zwar bin ich nur eine von 7,8 Millarden, aber wir alle sind spätestens seit der Globalisierung eng miteinander verbunden. Das ist einerseits beängstigend, aber andererseits auch eine echte Chance. Wie beim „Butterfly Effect“ lösen meine täglichen Handlungen immer auch eine Kettenreaktion aus, so dass ich mit positivem Verhalten ebenso positiv beeinflussen kann. Gutes tun und darüber reden bringt wirklich was. Es hat sich für mich zum Beispiel richtig toll angefühlt, als meine Freunde plötzlich auch Bio-Gemüse beim lokalen Bauern einkauften oder meine Schwester begann, mir Upcycling-Ideen für die Alltagsprodukte zu schicken.

„Kaufe weniger, wähle gut aus, behalte es länger“ (2)

Diesen Appell richtete Vivienne Westwood vor drei Jahren an die Modebranche. Und er passt perfekt zum Prinzip Naturgarten. Anders als zu Beginn meiner Gärtnerkarriere mache ich mittlerweile Ableger für Freunde und nehme auch mickrige Pflanzen bei mir auf. Da ich dazu neige, bei schönen Pflanzen sofort das Portemonnaie zu zücken, zwinge ich mich mittlerweile dazu, mich vorab mit den nötigen Standortbedingungen zu befassen und gebe ihnen dann Zeit anzuwachsen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ich spare Geld, habe mehr Erfolg beim Gärtnern und regelmäßig Kontakt mit Friends & Family. Gerade in 2020 hat gerade Letzteres extrem gut getan.

Du & erdhummel

Egal ob du einen Garten hast oder dir mit jemandem einen Balkon teilst. Bienenfreundliche Blumen kannst du sogar auf dem Randstreifen des Gehwegs vor deiner Haustür säen. Ein Futterhaus für Vögel hat eigentlich überall Platz und einen Nistkasten für Bienen selbst zu bauen, ist gar nicht so schwer wie man denkt. In meinem erdhummel-Blog möchte ich dich inspirieren, mehr Natur in dein Leben zu lassen. Dich erwarten Anregungen für insektenfreundliche Pflanzen und Gartenelemente, aber auch interessante Fakten rund um das Thema Nachhaltigkeit.

Den Spaß werde ich dabei bestimmt nicht aus den Augen verlieren.

Deine erdhummel.

(1)https://www.wwf.de/living-planet-report?newsletter=lpcnewsletter%2FHausliste%2F2020%2F11%2F18%2Flpc%2Funganisha&utm_medium=newsletter&utm_campaign=unganisha&utm_source=lpcnewsletter&ecmId=46PCEUBY-SBJ3EB&ecmEid=46R7GQHA-46PCEUBY-9HJ11R0&ecmUid=3NPCDWAY-N75IXZ

(2) Dittrich, A. (2020), Gucci goes Greta?, Zeit Wissen, Hamburg