Mit Beginn meiner Jugend, bekamen materielle Dinge einen neuen Stellenwert. Fast plötzlich war es mir wichtig, die neusten Nikes zu besitzen und nicht das abgelegte Fahrrad meines älteren Bruders zu fahren. Beide Wünsche haben meine Eltern (zu meinem damaligen Bedauern und völligem Unverständnis) nicht unterstützt. Erst als Mutter begann ich zu verstehen, weshalb meine Eltern so streng im Umgang mit Konsumgütern waren und uns beibrachten, dass Teilen sowohl aus sozialer als auch nachhaltiger Sicht die einzige Lösung ist.

Miteinander teilen und füreinander sorgen

Die Trockenmauer aus Naturstein ist ein beliebtes Element der Permakultur

Heute, 30 Jahre später, beginnt sich das Blatt zu wenden und die Idee, nachhaltiger zu leben und Besitz zu teilen, etabliert sich wieder. Mehr Menschen beschäftigten sich mit den Zusammenhängen zwischen Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt und versuchen ihr tägliches Konsumverhalten anzupassen. 

Sorge für die Erde. Sorge für die Menschen. Begrenze Konsum und Wachstum und teile Überschüsse.

Permakultur Institut e.V. (1)

Bill Mollison und David Holmgren erging es in den 1970er Jahren ähnlich. Schon damals erkannten sie, dass die industrielle Landwirtschaft Böden zerstört und Wasserhaushalt und Artenvielfalt schädigt. Mit der Idee auf einem Stückchen Erde eine dauerhafte oder nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben, entstand auch die Vision der nachhaltigen Kultur – das „Prinzip Permakultur“. Die Idee der Permakultur basiert auf drei ethischen Prinzipien:

Permakultur als eine Lebenseinstellung

Mich als Permakultur-Neuling, erinnerten diese Prinzipien stark an die „Sustainable Development Goals„. 17 politische Zielsetzungen, welche die Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene anstreben. Die Permakultur hingegen formuliert keine Ziele. Vielmehr ist sie ein Lösungskonzept und Lebenseinstellung, welcher der Wunsch zu Grunde liegt, im Einklang mit der Natur zu existieren. 

Anfang des Jahres lernte ich NINO kennen. NINO beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit dem Thema Permakultur und ist für mich ein Pionier auf dem Gebiet. Anders als die meisten Menschen, fand er nicht über das Thema „Selbstversorgung“ zur Permakultur. Für ihn war die Ideologie schon immer fundamentaler Bestandteil seines Lebens. Zeit, ihm ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

Permakultur-Experte Nino bei bei einem Kunden im Gemüsebeet
Nino bei der Arbeit in einem Permakultur-Garten

5 Fragen an den Permakulturexperten NINO

Was bedeutet „Permakultur“ für dich und inwiefern ist sie Teil deines Lebenskonzepts?

Sie gehört für mich zu einem erfüllten Leben dazu, da sie allumfassend ist. Sie betrifft ja nicht nur den Garten, sondern beschreibt auch das Leben mit Tieren, soziales Miteinander und bestimmte Verhaltensnormen. Insbesondere der Anbau von Gemüse ist mir wichtig, da er mir bis zu einem gewissen Grad auch eine wirtschaftliche Unabhängigkeit ermöglicht.

Unsere Gesellschaft ist stark von Konsum geprägt. Gab es Momente, in denen es dir schwer fiel dich dem zu entziehen? 

Auch wenn ich weitestgehend losgelöst von gesellschaftlichen Zwängen lebe, bestelle auch ich manchmal Bücher im Internet. Die Auswahl dort ist einfach besser. Generell versuche ich Konsum aber möglichst gering zu halten. Ich repariere meine Schuhe selbst, wenn sie kaputt gehen und unterwerfe mich nicht der neusten Mode. Für die Gründung meiner Firma habe ich nie einen Kredit aufgenommen. Geld das ich z.B. für die Anschaffung von Werkzeugen benötige, erarbeite ich mir vorab selbst. 

Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Merkmale eines Permakultur-Gartens?

Die Natur muss in den Kreislauf integriert sein. Das heißt, man sollte wenig bis gar keine Dinge / Substanzen von Außen zuführen. Statt Mulchmaterial zu kaufen, entspricht es mehr dem Permakultur-Prinzip, den eigenen Kompost effizienter zu nutzen.Der Aufwand muss im Verhältnis zum Ertrag stehen. Indem ich beispielsweise selbst Solarenergie für mein Gewächshaus generiere, bin ich von externen Systemen unabhängig und kann Gemüseanzucht viel effizienter betreiben.

Gibt es Irrtümer über die Permakultur, mit denen du gerne aufräumen würdest? 

Zum einen wird Permakultur gerne mit dem links-/grün-ideologischen Gedankengut in Verbindung gebracht. Statt politisch, ist Permakultur für mich freiheitlich. Zum anderen höre ich oft, dass Permakultur-Gärten keine Arbeit machen. Ein Garten macht immer Arbeit! Allein bei der Selbstversorgung muss Gemüse vorgezogen, gewässert, geerntet und konserviert werden. Der Schlüssel bei der Permakultur liegt viel mehr in der effizienten Umsetzung und Nutzung des Gartens. Wenn man das schafft, wird es über die Jahre hinweg dann immer weniger zu tun geben. 

Die „Permakultur“  etabliert sich gerade stärker. Glaubst du, das Konzept hat Zukunft und ist noch dazu massentauglich? 

Ja, Permakultur ist auf jeden Fall massentauglich. Wenn auch für jeden in etwas anderer Form. Wir erleben schon lange eine Stadt-Flucht. Durch die aktuelle Krisensituation verlangen wieder mehr Menschen nach mehr Raum und Natur. Beide Aspekte sind auf dem Land eher zu finden, als in der Stadt. Durch die Enge in Städten, kommt erschwerend der Faktor Neid hinzu. In der Stadt ist Permakultur eben noch ein finanzieller Luxus, den sich nur Wenige leisten können. Das kann sich durchaus ändern. In meinem Berufsalltag treffe ich immer mehr Menschen, die keine Lust auf „Smartcities“ haben und wieder natürlicher leben möchten. Für diese Menschen ist das Modell Permakultur der richtige Weg.

Hast du einen Tipp, für alle die erst am Anfang ihrer Permakultur-Karriere stehen?

Gerade bei der Selbstversorgung ist es wichtig, angstfrei zu sein. Einfach machen und wenn’s nicht klappt, dann herausfinden woran es gelegen hat und besser machen. 

Vielen Dank!

Die Zusammenarbeit mit Menschen wie NINO empfinde ich als sehr bereichernd. Sie lehren uns nicht nur viel über unsere Umwelt sondern beweisen, dass ein Leben weitab von Konsum durchaus Reize hat. Es hat ein bisschen gedauert, aber mittlerweile habe ich meine anfängliche Angst vor der Komplexität der Permakultur überwunden.

In Zukunft möchte ich mehr meinem Herzen folgen und auch im Garten „einfach machen“.

Deine erdhummel.

(1) ttps://permakultur.de/was-ist-permakultur/