Die Wahrheit zuerst: Ich bin nicht die geborene „Ökoqueen“. Ich kenne die Vorzüge der morgendlichen Autofahrt ins Büro, wenn das Thermometer unter Null fällt und ich stimme jedem zu, der eine Auszeit im Ausland als bewusstseinserweiternd empfindet. Niemals würde ich meine drei Monate Dschungelleben unter Affen gegen drei Monate Campingurlaub in Deutschland tauschen wollen.

Aber da war dieser Moment an einem Nachmittag im Sommer 2014. Ich brutzelte entspannt auf der Gartenliege vor mich hin und stellte zwei Dinge fest. Es war einfach unglaublich heiß und unglaublich still.

Ich muss zugeben, es hat ein wenig gedauert, bis ich begriff, dass „ohne Natur kein Schatten und kein Tier“. Mittlerweile kann ich einfach nicht mehr anders, als der Natur stetig mehr Raum in meinem Leben einzuräumen. Wenn ich heute Zeit auf der Gartenliege verbringe (mit LSF 30 im Schatten des Baumes) verstehe ich, wie magisch es ist, wenn es im Lavendel summt und auf meinen Beinen krabbelt.

erdhummel schiebt ihre zwei Mädchen in der Schubkarre durch den Garten
Mit meinen beiden Mädchen macht Gartenarbeit doppelt Spaß

Frustthema Nachhaltigkeit

Das letzte Jahr war turbulent. Während ich versucht habe, das WFH-Modell auf einen Alltag mit Kindern und Hunden zu adaptieren, diskutierte die Welt über Corona und die Klimakrise. Und wer hätte gedacht, dass beide Themen so eng miteinander verwoben sind? Wie der WWF im „Living Planet Report 2020“ zusammenfasst: „Die immensen Zusammenhänge zwischen intakten Ökosystemen und menschlicher Gesundheit werden immer offensichtlicher. Sie reichen von der Erzeugung von Arznei aus Pflanzen bis hin zur Wasserfiltration durch Feuchtgebiete. Die Biodiversität hat vielfältige positive Wirkungen auf unsere Gesundheit.“ (1)

Aber diese ‚immensen Zusammenhänge‘ können auch echt frustrieren. Laut der FAZ ist die Bedeutung des Welthandels in 2020 nicht nur gewachsen (China exportierte 2020 so viel wie noch nie), auch hat sich unsere Welt weiterhin durch zunehmende Urbanisierung und Konsum verändert. Zwar beginnen einige globale Unternehmen konkrete Ziele im Sinne der Nachhaltigkeit zu setzen. Wie Bloomberg Green berichtete, ist beispielsweise Amazons CO2-Fußabdruck für 2019 um 15 % auf 51,17 Millionen Tonnen gestiegen. Das ist mehr als für das gesamte Land Schweden.

Weltkarte des ökologischen Fußabdrucks des Konsums pro Person vom WWF
Weltweiter ökologischer Fußabdruck pro Person

Think global, act local

Bringt es dann überhaupt etwas, dass ich mit dem Fahrrad zur Buchhandlung fahre, während mein Nachbar seine tägliche Prime-Lieferung mit dem Auto geliefert bekommt? Die Antwort ist „Ja“!

Zwar bin ich nur eine von 7,8 Millarden, aber wir alle sind spätestens seit der Globalisierung eng miteinander verbunden. Das ist einerseits beängstigend, aber andererseits auch eine echte Chance. Wie beim „Butterfly Effect“ lösen meine täglichen Handlungen immer auch eine Kettenreaktion aus, so dass ich mit positivem Verhalten ebenso positiv beeinflussen kann. Gutes tun und darüber reden bringt wirklich was. Es hat sich für mich zum Beispiel richtig toll angefühlt, als meine Freunde plötzlich auch Bio-Gemüse beim lokalen Bauern einkauften oder meine Schwester begann, mir Upcycling-Ideen für die Alltagsprodukte zu schicken.

„Kaufe weniger, wähle gut aus, behalte es länger“ (2)

Diesen Appell richtete Vivienne Westwood vor drei Jahren an die Modebranche. Und er passt perfekt zum Prinzip Naturgarten. Anders als zu Beginn meiner Gärtnerkarriere mache ich mittlerweile Ableger für Freunde und nehme auch mickrige Pflanzen bei mir auf. Da ich dazu neige, bei schönen Pflanzen sofort das Portemonnaie zu zücken, zwinge ich mich mittlerweile dazu, mich vorab mit den nötigen Standortbedingungen zu befassen und gebe ihnen dann Zeit anzuwachsen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ich spare Geld, habe mehr Erfolg beim Gärtnern und regelmäßig Kontakt mit Friends & Family. Gerade in 2020 hat gerade Letzteres extrem gut getan.

Du & erdhummel

Egal ob du einen Garten hast oder dir mit jemandem einen Balkon teilst. Bienenfreundliche Blumen kannst du sogar auf dem Randstreifen des Gehwegs vor deiner Haustür säen. Ein Futterhaus für Vögel hat eigentlich überall Platz und einen Nistkasten für Bienen selbst zu bauen, ist gar nicht so schwer wie man denkt. In meinem erdhummel-Blog möchte ich dich inspirieren, mehr Natur in dein Leben zu lassen. Dich erwarten Anregungen für insektenfreundliche Pflanzen und Gartenelemente, aber auch interessante Fakten rund um das Thema Nachhaltigkeit.

Den Spaß werde ich dabei bestimmt nicht aus den Augen verlieren.

Deine erdhummel.

(1)https://www.wwf.de/living-planet-report?newsletter=lpcnewsletter%2FHausliste%2F2020%2F11%2F18%2Flpc%2Funganisha&utm_medium=newsletter&utm_campaign=unganisha&utm_source=lpcnewsletter&ecmId=46PCEUBY-SBJ3EB&ecmEid=46R7GQHA-46PCEUBY-9HJ11R0&ecmUid=3NPCDWAY-N75IXZ

(2) Dittrich, A. (2020), Gucci goes Greta?, Zeit Wissen, Hamburg